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11. Kapitel.
Der Mann im Condorhorst.

Aber damals lebte er noch in all seiner prachtvollen Männlichkeit – damals, als wir aus der Hölle zum Lichte emporstiegen und als wir unserer Mooshütte zustrebten, dabei auch an der Steinsäule vorbeikamen, an dem Condorhorst.

Coy schritt noch immer still und rasch voran. Gerade jetzt hatte er es noch eiliger. Aber ich dachte an meinen schönen Filzhut, der mir verloren gegangen war und für den ich vorläufig nur als Ersatz einen „Chaprone“ tragen mußte, falls eben Coy so lieb war, mir ein solches Monstrum aus gespaltenen Wurzelfasern zu flechten. Chaprone sind nämlich die Riesenhüte, die von den araukanischen Frauen an der Gallegos-Bucht getragen werden.

Wie gesagt, Coy hatte es gerade hier am Condor-Horst mächtig eilig, konnte aber doch nicht verhindern, daß ich einen sehnsüchtigen Blick zu dem Nest, dem so liederlich gebauten, emporwarf. Mein schöner Hut – vielleicht ruhte schon ein Condor-Baby auf dem weichen Filz und benutzte ihn als Töpfchen – schauderhafter Gedanke.

Wirklich – so wie ich dies hier schreibe, mit dem Versuch, Humorist zu sein (obwohl mir doch gerade heute das Herz schwer wie Blei ist), – so war meine damalige Stimmung, denn wer dunkle Stunden in der dunklen Schlucht zugebracht hat, der freut sich des Sonnenlichtes zehnfach

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 126. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/126&oldid=- (Version vom 1.8.2018)