Seite:Mein Freund Coy.pdf/13

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hinzu und bewies so, daß sein Gehör außerordentlich scharf war.

„Ein Pferd nur,“ erwiderte ich ausweichend, denn ich wollte prüfen, ob der Mann etwas von seinem indianischen Verfolger wußte und ob er nicht etwa mit der Wahrheit hinter dem Berge halten würde. Es kam mir nämlich ziemlich unglaubwürdig vor, daß ein Sträfling von Valdivia bis hier in die Südwestecke Patagoniens geflohen sein sollte. Der Blinde erweckte ja überhaupt den Eindruck, als ob ihm die Begegnung mit mir keineswegs angenehm wäre, – doch höchst sonderbar für einen Menschen, der sich nur mit dem Stecken weitertasten konnte und unfehlbar ohne fremde Hilfe hier verhungern mußte.

„Wohl Ihr Pferd, El Gento?“ meinte er gleichmütig. „Setzen wir uns … Ich bin müde. Diese gräßlichen Ameisen haben mich vor vier Tagen in einem der dichten Koniferenwälder der Andentäler während einer längeren Bewußtlosigkeit so fürchterlich zugerichtet. Vielleicht hatte ich’s verdient. Ich bin blind geworden. Das haben Sie wohl schon gemerkt.“ Er sagte es mit einer trostlosen Gleichgültigkeit, die mich ganz seltsam berührte.

Ich führte ihn seitwärts zu einem Steine und nahm neben ihm Platz, vermied es, ihn anzusehen, denn dieses entstellte Gesicht trieb mir wahrlich ein Frostgefühl über die Haut, und fragte ihn nun, wann er aus Valdivia entwichen sei.

„Sie haben ein Recht, von mir Auskunft über meine Person zu verlangen,“ meinte er in demselben[1] stumpfen Tone eines Menschen, dem nichts mehr am Leben gelegen ist. „Sie gestatten, daß ich Sie auch weiterhin El Gento anrede. Weshalb

  1. Vorlage: demselten
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/13&oldid=- (Version vom 1.8.2018)