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12. Kapitel.
Der König von Araukanien.

Mein zweifelnder Blick beschleunigte des Chilenen seltsame Aufklärungen. „Peter van Braanken kam 1920 nach Valdivia, zerlumpt, verkommen. Ein Zufall führte mich mit ihm zusammen. Da meine Mutter Holländerin gewesen, nahm ich mich Braankens an. Er wurde Buchhalter bei mir, obwohl er nicht ganz zurechnungsfähig war. Aber sein Irrsinn war harmlos. In Deutsch-Südwest hatten die Schwarzen ihm sein Weib ermordet und seine kleine Farm eingeäschert. Er bildete sich ein, daß sein Weib noch lebe. Er suchte beständig nach ihr, trieb sich in seinen freien Stunden am Hafen umher und belästigte Frauen, denen er nachlief und die er als „seine Anna“ ansprach. Mein Einfluß bewahrte ihn ein Jahr lang vor der Irrenanstalt. Dann trieb er es immer toller, litt unter Wutanfällen, – ich mußte ihn der öffentlichen Irrenpflege übergeben, und daher sein Haß gegen mich. Als mein Buchhalter hatte er mich zweimal nach der Gallegos-Farm begleitet. Und so konnte er unschwer nach seiner Flucht hier in der Wildnis sein gefährliches Treiben aufnehmen. Er ist nicht blind. Er hat einst in Amsterdam Medizin studiert. Er besitzt die ganze Schlauheit und Gerissenheit eines Geistesgestörten, seine Blindheit ist Schwindel. Er muß irgendein Mittel kennen, seine Augen zu Verfärben. – Nun wissen Sie alles, El Gento. Meine armen Kinder und die Diener, von denen sie begleitet waren, sind der Tücke eines Irren,

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 141. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/141&oldid=- (Version vom 1.8.2018)