Seite:Mein Freund Coy.pdf/28

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von dem weißen König der Araukaner, El Gento? Nichts von dem französischen Advokaten Tounens, der 1865, eine richtige Abenteurernatur, Großtoqui der Araukaner wurde und als Orelio Antonio I.[ws 1], König von Araukanien, jahrelang mit Chile Krieg führte, bis der Feldzug 70/71 Frankreichs Hilfsgelder versiegen ließ und Chile den Abenteurer verjagte?!“

„Keine Ahnung!“ Und ich möchte den Europäer mit Durchschnittsbildung sehen, der hiervon eine Ahnung hat! „Sind das denn Tatsachen?“ fügte ich zweifelnd hinzu.

„Verbürgt! Dieser Tounens war ein Genie. Ich habe in Valdivia[1] viel in der dortigen Bibliothek gelesen, und da fand ich auch seine beiden Werke „Meine Thronbesteigung“ und „Araukanien“, beide zuerst in Bordeaux 1878 erschienen – sehr interessant geschrieben, förmliche Romane. Der Orden stammt also fraglos aus jener Zeit seiner Königsherrschaft über rund hunderttausend wilde verwegene Indianer.“

Ich sog nachdenklich an meiner Zigarre. Ich dachte an Freund Coy, an die kleine Siedlung der Araukaner an der Gallegos-Bucht. Ob etwa meine dortigen Kameraden, und das waren sie mir insgesamt, vor den Chilenen einst wegen dieses „Königs“ hierher geflüchtet waren?! Sie waren ja so merkwürdig verschwiegen, was die Ursachen ihrer einstigen Wanderung zur Gallegos-Bucht betraf. Ich wußte nur, daß sie dort seit etwa fünfzig Jahren hausten. Und dieser Zeitpunkt stimmte mit dem Zusammenbruch der Königsherrlichkeit des Tounens überein: 1870! –

„Braanken …“

„Ja?“

  1. Vorlage: Valdivio

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe hierzu die Artikel über Orélie Antoine de Tounens und das Königreich von Araukanien und Patagonien in der Wikipedia.
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/28&oldid=- (Version vom 1.8.2018)