Seite:Mein Freund Coy.pdf/35

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emporstrebten – von wunderlicher Gestalt und wunderlicher Beweglichkeit. Die Steppe lebte. Aber es war ein Leben, das gleichzeitig die Vernichtung in sich barg. Daran dachte ich freilich nicht, denn dieser nie gekannte Anblick der hüpfenden Sandkaskaden nahm mich, den begeisterten Naturfreund, so vollkommen gefangen, daß erst Coys ärgerlicher Zuruf mich die wahre Gefahr ahnen ließ.

„Vorwärts, – – Mistre sein wahnsinnig!! Ersticken wollen?! He?!“

Und er gab meinem Braunen mit dem Fuß einen Stoß in die Weiche, daß der brave Klepper empört vorwärtsschoß … Ich hatte Mühe, mich auf dem schweißblanken, sattellosen Pferderücken im Gleichgewicht zu halten. Ja, der Gaul schwitzte. Und ich hörte auch das keuchende Schnauben seiner vor Aufregung schneller arbeitenden Lungen, spürte, daß die vierbeinige Kreatur die Gefahr witterte, und wußte, daß ich soeben kostbare Minuten unsinnig vertrödelt hatte.

Wußte es durch einen flüchtigen Blick nach rechts …

Die tanzenden Wirbel der Sandkörnchen waren bis auf zweihundert Meter heran. Und hinter ihnen her kam’s mit derselben beklemmenden Lautlosigkeit heran: eine förmliche wandernde Mauer, unbegrenzt in ihrer Ausdehnung von Westen nach Osten, nach oben hin sich scheinbar mit dem tief hängenden düsteren Gewölk vermischend.

Die Felsgruppe kaum noch zweitausend Meter entfernt …

Nun – wir würden’s schon schaffen …

Coy brüllte abermals:

„Schneller, Mistre, schneller …!“

Ganz nervös machte er mich …

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/35&oldid=3350528 (Version vom 1.8.2018)