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und Ab dahingeflossen war, nur ein einziges Mal verschüttet worden und zwar im Himata-Tale auf Sumatra beim Bahnbau. Damals war eine ungeheure Geröllhalde, die wir stark genug abgestützt zu haben glaubten, ins Rutschen gekommen, und lediglich meine Geistesgegenwart – ein Sprung in eine Einbuchtung der Talwand, rettete mich vor dem Zermalmtwerden, sperrte mich aber auch volle drei Tage in dem Felsloche ein. Halbtot wurde ich endlich befreit. Was mir damals passiert, hatte sich nun hier im südlichsten Patagonien in ähnlicher Art wiederholt. Als ich zu mir kam, war ich bis zum Halse in Sand eingebettet. Der Druck der Sandmassen auf meinen Leib war so stark, daß ich noch tagelang Schmerzen in der Bauchmuskulatur empfand. Aber mein Kopf war frei. Ich konnte atmen, konnte auch den rechten, nach oben ausgestreckten Arm unschwer aus dem feinen Geriesel der immer wieder nachfallenden Sandmengen befreien. Sehen konnte ich nichts. Um mich her herrschte die vollkommenste Finsternis. Außer den Schmerzen im Leibe, der flach wie ein Fladen gepreßt sein mußte, hatten mich noch andere Schmerzen geweckt.

Ich lag mit wirrem Kopf die ersten Stunden regungslos. Meine stählerne Konstitution hatte die Folgen der tiefen Ohnmacht dann sehr bald überwunden. Mein Kopf klärte sich, die Gedanken flossen leichter und die Erinnerung erwachte: Sandsturm, Sturz mit dem Pferde in die Tiefe!

Ich hatte Glück gehabt – wieder einmal! Ich war so gefallen, daß mein Kopf in eine Vertiefung der Wand der Regenschlucht hineingeraten war. Der Sand hatte mich nicht erstickt, und die Gewißheit, mich mit den Händen herausschaufeln

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Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/38&oldid=- (Version vom 1.8.2018)