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1. Kapitel.[1]

Ich hatte, so lange ich in der Welt lebte, nur einen Freund. Unter Welt verstehe ich das, was nicht „die Welt“ ist, nicht meine Welt der Freiheit und der freien Persönlichkeit.

Dieser Freund war ein Hund, ein Bastard, Kreuzung zwischen Dobermann und Schäferhund. Meine Bekannten lachten mich aus, weil ich so vernarrt in das Tier war. Ich hatte es, während ich noch in Charlottenburg studierte, vollkommen verwahrlost im Tiergarten aufgelesen, als schon ein Hundefänger seine Schlinge bereit hielt. Sechs Jahre hat „Malm“ (ein Phantasiename, eine Abkürzung von Malmö, meiner Vaterstadt) mir eine Liebe und Anhänglichkeit bewiesen, zu der kein zweibeiniges Gottesgeschöpf mit solcher Selbstlosigkeit fähig ist. Malm begleitete mich nach Indien, Australien und nach Sumatra, – wohin mich immer mein Ingenieurberuf führte. Malm starb für mich in Kota Matta, mitten in der Sumatrawildnis durch einen Leopardenbiß. Mein sogenannter Freund und Kollege K. riß aus, nachdem er das Raubtier gefehlt hatte, obwohl sein Patronenrahmen noch vier Schüsse enthielt. Malm starb für mich. Sein Tod gewährte mir die nötigen zehn Sekunden, um meine eigene an einem Baume

  1. Vorlage: "1. Kapitel" ergänzt
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/5&oldid=- (Version vom 1.8.2018)