Seite:Messungen an Becquerelstrahlen.djvu/7

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und zwar entspricht das z, also die Ablenkung, welche die Extrastrahlen erfahren, folgenden Geschwindigkeiten :

βm = 0,516;
β = 0,47;
β = 0,588;
= 10,18 mm
= 0,971 cm
= 0,954 cm

Für die geradlinig durchgehenden Strahlen, die Normalstrahlen, ist = 10,18 mm, und schließlich für die schnelleren Strahlen, da ist die Ablenkung 0,954 cm. Sie sehen, die Ablenkung dieser Strahlen liegt so in der Nähe der Normalstrahlen, daß dadurch höchstens eine kleine Verbreiterung eintreten kann. Der Abstand der Kondensatorplatten ist 1/2 mm, das liefert höchstens eine Breite bis zu 3/4 mm; tatsächlich ist die Kurve nicht breiter. Dies beweist klar, daß die Extrastrahlen keine Rolle spielen.

Wien: Ich möchte den Vortragenden fragen, ob er vielleicht Anhaltspunkte dafür hat, weshalb die Versuche von Kaufmann zu Ergebnissen geführt haben, die von den seinigen verschieden sind.

Bucherer: Ich möchte an keine Kritik der Kaufmannschen Versuche gehen, ohne ausdrücklich zu bestätigen, daß ich die Pionierarbeit von Kaufmann in hohem Maße anerkenne. Wenn ich nun zu der Kritik der Kaufmannschen Versuche übergehe, so möchte ich zunächst auf die Schwierigkeit bei der Messung einer so kleinen Kurve hinweisen.

Die Geschwindigkeiten, die in Betracht kommen, sind 0,8 bis 0,56 der Lichtgeschwindigkeit. Die unteren Werte der Ablenkungen habe ich nicht in Betracht gezogen, da sind die prozentischen Fehler zu groß. In dem Bereich, der für Kaufmann in Frage kam, ist die Kurve auch schon sehr klein. Ich habe die Kurve genau betrachtet und bei einem Teil eine Asymmetrie von 5 Proz. entdeckt, also so viel, wie der Unterschied der Theorien in diesem Geschwindigkeitsbereich beträgt. Ich habe Kaufmann darauf aufmerksam gemacht, er hat nachgemessen und tatsächlich die Abweichung von 5 Proz. gefunden. Ein anderer Punkt ist folgender: Ich habe den Widerstand des Kondensators gemessen; Kaufmann nimmt ihn unendlich groß an.

Wenn der Widerstand des Kondensators nicht verschwindet, kommt dadurch ein Fehler hinein, den ich bei Kaufmann auf 1 Proz. schätze. Ich habe folgende Verhältnisse selbst gefunden (es folgt eine Zeichnung, in welcher Kondensator, Widerstände, Batterie schematisch angedeutet werden). Wenn der eingeschaltete Widerstand nicht gegen den des Kondensators verschwindet, so ist selbstverständlich nicht die Potentialdifferenz der Batterie maßgebend. Allein dieser Fehler macht bei meinen Versuchen 0,06 Proz. aus. (Es werden wieder Zahlen angegeben.) Sie sehen, Sie bekommen da schon merkliche Wirkungen. Bei Kaufmann betrugen diese Widerstände schon mehrere Megohm. Also die Spannungsmessungen von Kaufmann sind meines Erachtens ungültig. Ein anderer Fehler wäre vielleicht dieser: Bei so genauen Messungen, wie sie hier in Frage kommen, dürfen die Platten des Kondensators nicht so zusammengedrückt werden, daß der Druck hier in der Mitte stattfindet, sondern der Druck darf nur auf die Quarzplättchen ausgeübt werden, sonst werden die Platten sich leicht verbiegen. Wenn man Interferenzerscheinungen studiert, sieht man, daß beim Pressen von der Mitte wohl ein Dutzend Ringe austreten. Dann ist weiter die Schwierigkeit des Magnetfeldes zu erwähnen. Kaufmann hat einen permanenten Magneten von 145 Gauß benutzt; er hatte eine Armatur, die wurde abgenommen und dann ändert sich vielleicht der Magnetismus mit der Zeit. Auch da kommt vielleicht eine Fehlerquelle hinein.

Bestelmeyer: Ich glaube nicht, daß die Frage nach den von mir erwähnten Fehlerquellen hier entschieden werden kann. Ich möchte deshalb nur sagen, daß ich noch nicht überzeugt bin, daß die erwähnten Fehlerquellen hier tatsächlich nicht in Betracht kommen. Es handelt sich hier doch um sehr genaue Messungen. Wenn man die kleineren Dimensionen des Apparates berücksichtigt, so zeigen die Kurven ungefähr dieselbe Schärfe, wie bei meinen Versuchen. Für die schnelleren Strahlen ist die Geschwindigkeitsfunktion nach der Lorentzschen Theorie ungefähr 1,24, nach der Abrahamschen 1,19. Den größeren Geschwindigkeiten entsprechen die kleineren Werte der Ablenkung. Die kleineren Geschwindigkeiten entsprechen den großen Ablenkungen. Selbst bei den großen Geschwindigkeiten kommt demnach der Unterschied zwischen der Lorentzschen und der Abrahamschen Theorie bei der Messung auf nur wenige Zehntelmillimeter hinaus, um so viel aber glaube ich, können diese Messungen eventuell ungenau sein. Doch will ich das jetzt hier ohne eine genauere Prüfung des Zahlenmaterials nicht definitiv behaupten.

Bucherer: Ich erwidere darauf: Die Werte von z sind hier so, daß man ohne weiteres annehmen kann, daß die Extrastrahlen keine Wirkung haben. Nehmen Sie ein optisches Analogon. Denken Sie, die Kondensatorplatten seien berußt, so werden die Extrastrahlen nur in geringer Zahl durch den Kondensator durchgehen (Zeichnung) und zur Ablenkung kommen. Sie können keinen Einfluß ausüben, das ist ganz ausgeschlossen. Dieser Einfluß liegt hier