| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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Zehn Jahre liegen im ewigen Schlafe, seit ich zuerst durch dieses Werk zu Euch gesprochen. Noch zehn Jahre: – und mein Buch ist geschlossen; ich ruhe dann wahrscheinlich mit Tausenden von Euch vom Gange des Lebens aus. Noch hundert Jahre: – und selbst mein Name wird vergessen seyn und nicht mehr genannt werden unter den Menschen, die ich so sehr geliebt. Verhallt ist mein Daseyn, wie ein Laut von gestern, und die Spur meiner Erdenwanderung verwischt, wie der Tritt der flüchtigen Gazelle in der Wüste.
Aber das Kleinod und Erbtheil der Geschlechter bleibt – die ewige Wahrheit und das ewige Recht. Wirken ist Leben. Wer also für das Ewige wirkt, lebt ewig. Seht, Freunde! so kann ich mir, wie jeder andere Mensch, meine Unsterblichkeit selbst machen. – Gönnt mir immerhin den Glauben, daß ich nicht umsonst gelebt, und haltet mich um dieses Glaubens willen nicht für eitel. Die Geschichte wird nie meinen Namen nennen. Nach Ehrenkränzen habe ich nie getrachtet; ich sammelte niemals, was die Welt das Höchste achtet. Ich hätte es wohl gekonnt. Daß ich es nicht gethan, das wird verwandten Geistern, die mich verstehen, kein Räthsel seyn.
Wir leben in einer warmen Zeit voll stiller Gährung und geräuschloser Wandlung. Es ist keine Thatenzeit, die in froher, wilder Begeisterung niederreißt, was Jahrhunderte gebaut, und die Völker läuternd durcheinander rüttelt; auch keine rächende Zeit, welche die Nemesis gegen das Unrecht auf die Erde ruft. Mit der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/9&oldid=- (Version vom 8.1.2026)