| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Ich kehre nach diesem ehrlichen Bekenntniß aufrechten Gangs in den Kreis zurück, der mir so lieb von jeher gewesen. – Zunächst komme ich zu Euch, Ihr alten Freunde, die Getreuen in Gesinnung und Streben seit geraumer Zeit. Ihr werdet mich wieder bei Euch aufnehmen. Ihr werdet unsern Widersachern nicht den Wahn gönnen, daß eine Trennung unter uns geschehen und unser Band gelöst sey. Gleichheit der Gesinnung hat es geknüpft; Humanität und freie Weltanschauung haben es befestigt; sie sind auch die Bürgen seiner künftigen Dauer.
Sodann gehe ich auf Euch zu, Ihr jüngern Freunde, und zu Euch, Ihr Andern, deren Glaube unter des Zweifels Last schier gesunken war. Ocffnet mir Eure Reihen und schließt den Kreis von Neuem um den alten Meister. Das ist sein Versprechen: Jedes seiner Worte komme aus seinem Herzen, denn nur was aus dem Herzen warm, stark, siegreich wieder zum Herzen dringt, dringt in das Leben. In dem Einen aber sey unser Bund unzertrennlich: Unsere Liebe umfasse alles Gute auf Erden, und unser Haß sey gerichtet gegen das Schlechte unter allen Formen.
Zum Dritten wende ich mich zu Euch, die Ihr mich bisher nicht gekannt habt, und jetzt zum ersten Male eintretet in meinen Leserkreis: – ich reiche Euch die Hand zum herzlichen Willkommen. Sammelt Euch um mich so lange der Geist aus mir redet, welcher so Viele vor Euch mir befreundet hat. Wenn aber je meine Worte hohltönendes Erz würden und leeres Schellengeläute, dann laßt mich allein stehen und die Erbschaft dieses Buches trete irgend ein Usurpator an, der für das Bessere im Leben und in der Zeit würdiger das Wort zu führen weiß. Kein Götzendienst ist alberner als der der bloßen Gewohnheit, und ein Wollen und Streben ohne Kraft und That hat keinen Anspruch auf Achtung.
Ich war immer der Meinung, das bescheidene Maaß meiner Salbung und meiner Weihe käme von Oben, und ich hätte daran kein Verdienst. – Nach so vielen empfangenen Beweisen der Theilnahme, die mein langes Schweigen auf’s Neue hervorgerufen, darf ich die Pflicht der Treue im Berufe nicht verleugnen. Die Geister der Tiefe kann ich zwar nicht missen, und auch die großen Werke meiner Arbeit nicht verlassen; ich werde aber nicht wieder dulden, daß die Pflichten, welche sie mir auferlegen, mich den höheren entfremden.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/10&oldid=- (Version vom 26.3.2025)