| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Nicht Könige!“ –
Kennst du den Bund, der viele Jahre schon in Deutschland an jedem Herde sitzt, seine Genossen zählt in allen Ständen, unter Männern und unter Frauen, unter der Jugend wie unter den Alten; den Bund, der tagt bei hellem Sonnenschein und Reden hält auf Märkten und auf Straßen, im Klub und in der Schenke; den Bund, der sich erkennt ohne Zeichen, der ohne Obere fest zusammen steht; die Propaganda, welche keine Waffen führt und dennoch herrscht in Millionen Herzen; die Verschwörung, vor deren Macht die gesalbten Häupter kein Nimbus schützt und die mit sicherer Hand dem Verbrechen bis auf die höchsten Throne nachfolgt? Kennst du den Bund? – Es ist die heilige Allianz des gekränkten Rechtsbewußtseyns, des entrüsteten Nationalgefühls, der getretenen Menschenehre, der beleidigten Manneswürde, der betrogenen Hoffnungen, des mißhandelten Volksvertrauens, der versagten Rechtsforderungen, des verkümmerten Wohlstandes, der hoffnungslosen Armuth, des gequälten und gefolterten und gehöhnten Lebens – gegen den frechen Uebermuth der Herrschaft, gegen das stolze, starre, volksfeindliche Beamtenthum, gegen den Zwang der herzlosen Gewalt, gegen den todten, kalten Mechanismus des Regierens, gegen aristokratische Anmaßung, gegen die Raubsucht und die Judenkniffe der Finanz, gegen das Verkehrte in den Prinzipien der Staatsverwaltung, Rechtspflege und Volkserziehung; – es ist der heilige Bund des grimmen Unmuths über unsere Zustände, der seit Jahren jeden Patrioten erfüllt mit dem Schmerzgefühl tiefer Schmach, die von einem Ende des Vaterlandes zum andern durch alle Geister zieht. – Das ist das Geheimniß von dem deutschen Bunde zur Entfernung der Willkürherrschaft, zur Rettung der Volksehre, zur Aufrichtung der Menschenwürde, zur Entfesselung der Volkskräfte, zur Machterhebung der Nation, zur Vindikation ihres ewigen Rechts auf Selbstherrschaft und Selbstregierung und ihres Willens, der Monarchie, so lange ihr überhaupt noch Bestand oder Duldung in deutschen Landen zu gönnen sey, die Macht zu nehmen, das Volk im Aufbau seines Glücks zu stören oder es daran zu hindern. Dieses ist die permanente Verschwörung des hellen Tags, welche die dumme Polizei so lange bei Laternenschein gesucht hat. Und dieser Konspiration habe ich angehört von Anbeginn, ich habe sie gefördert ohne Unterlaß; ich habe sie gepredigt aller Orten,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/107&oldid=- (Version vom 31.3.2025)