| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band | |
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welches das Verderben in alle Winkel des Staatsgebäudes trägt: – die ganze Masse der Fäulnis und der Auflösung ist ihm nichts mehr. Nur die Leidenschaft konnte die schlummernde Kraft des portugiesischen Volks auf Augenblicke erregen, und ein Strohfeuer anzünden, das um so eher erlöschen mußte, je höher die Lohe himmelan stieg. Aber solche Flammen heilen nicht eine todtkranke Zeit und können ein todtkrankes Volksleben nicht vor Zerstörung retten. Sie sind selbst nur ein Todeszeichen, wie das letzte Aufflackern einer Lampe vor ihrem Erlöschen.
Ein Bild aus dem gelobten Lande Oesterreich. Ja, gelobt bist du, herrliche Austria, die du, in der Fülle des irdischen Guts, kühn aufgehoben hast das dunkle, begeisternde Auge nach höhern Welten, und muthiger als viele andere deiner Schwestern, mitsangst den gewaltigen Choral, dessen feierliche Tone an das Gewölbe des Himmels schlagen, unserm Volke eine neue Zeit verkündigend. Von deinen Lippen strömte der Heldengesang der deutschen Revolution am kräftigsten, in den Herzen der Oesterreicher glüht ihr elektrisches Feuer am beständigsten, und es wird, wenn die Zeit gekommen ist, daß die Gewitterwolken sich entladen, in den furchtbarsten Blitzen herabfahren, niederschmetternd mit seinen Donnerkeilen Alles, was der Revolution feindlich entgegensteht. Wo geworfen ist der Same, aus dem das neue Volksleben sprießt, auf solchen Boden, wie in Oesterreich, da geht er auf und trägt Frucht und träte ihn des Despotismus eiserner Fuß auch zehnmal nieder. Menschwerdend ist das göttliche Prinzip der Volkshoheit in den Kreis der deutschen Stämme getreten, und wenn auch augenblicklich die Gewalt seine Anwendung hindert, so wird doch Nichts die Nation ablenken von ihrem Wege, der unausbleiblich zum Sturz der Alleinherrschaft und zur Selbstbestimmung ihrer Geschicke führt. Mit Pulver und Blei kann man wohl den Leib vertilgen; aber damit richtet man nichts ans gegen die Ideen, welche als Revolutionsprediger
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1848, Seite 114. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_13._Band_1848.djvu/122&oldid=- (Version vom 29.4.2025)