| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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erschrocken schüttelt das schwarze tonsurirte Männchen die schwere Krone von dem Haupte, und Luzifer läßt Heiligenschein, Horn, Huf und Schwanz im Beichtstuhl liegen und fährt durch’s Kirchenfenster von dannen!
„Was gibt’s?“
„„Es prasseln die Flammen aus dem Weltmeer und die Erde liegt im Kreißen. Sauve qui peut!““ –
Prangend stellt die große Natur in diesem Bilde ihre Schätze zur Schau. Wie im Triumphe zieht der stolze Strom zwischen den bewaldeten Bergen hin – das Auge schwelgt in den Fluthen und die Seele preist Den, der diese Herrlichkeit geschaffen hat.
Vom oberosterreichischen Städtchen Grein bis zur Abtei Mölk ist das Donauthal eine ununterbrochene Reihe solcher entzückenden Bilder. Einst war das vorliegende Land gegen Passau hinauf ein See, bis die gestauten Wasser des Stroms den Bergdamm, welcher ihren Abfluß hinderte, in der Gegend von Grein durchbrachen. Auf dieser Stelle wirft noch gegenwärtig der Strom, zwischen senkrecht abgerissenen Bergwänden eingeklemmt, zornig und schäumend seine empörten Wogen über die zerstörten Felsmassen, und dort sind die Strudel und Wirbel, wo die donnernden Fluthen sich an den trotzigen Klippen brechen und auf einem Fels mitten im Strom ragen die Thürme, auf denen die adeligen Räuber des Nothrufs des wehrlosen Schiffers lauerten, um ihn zu plündern. Jeht sitzen die Wegelagerer und Zöllner behaglich in ihren Schlössern, und die Gefahren, welche die kochende und wirbelnde Tiefe der Schiffahrt bereitet, bestehen mehr in der Sage, als in der Wirklichkeit. Man hat in unserer Zeit das Flußbett durch Sprengungen von den gefährlichsten Klippen gereinigt, und seitdem wird von Unglücksfällen wenig mehr gehört.
Gleich unterhalb dieser verrufenen Strecke gründete eine fromme, mildthätige und reiche Frau vor etwa 700 Jahren für die Verunglückten ein Hospital. Sie gab es in den Schutz des heiligen Nicolaus und bestellte einige Franziskaner zu Pflegern. Als Bauplatz diente eine an den Strom hinaustretende Felsplatte.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/136&oldid=- (Version vom 14.8.2025)