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Seite:Meyers Universum 14. Band 1850.djvu/205

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Strecke von Eisenach bis Lichtenfels, in Ermangelung einer Werrabahn, unterbrochen, der Emigrantenzug nach Bremen aus Bayern u. s. w. noch einmal so stark seyn. Die leichtere Verbindung auf Main und Rhein führt jährlich 20 bis 30,000 Deutsche den niederländischen Häfen und Havre zu, die sonst Bremen gewiß vorziehen würden, wo Gesetze, Behörden und Vereine zusammengreifen, um das Loos der Auswanderer bis zur Einschiffung und auf der Ueberfahrt erträglicher und besser zu machen und sie vor Uebervortheilungen und Prellereien zu sichern. – In neuester Zeit entfaltet für diese Zwecke in Bremen ein Nachweisungsbureau für Auswanderer, dem ehrenfeste Männer vorstehen, eine segensreiche Wirksamkeit; es ertheilt Rath und Belehrung Jedem, der es anruft, unentgeltlich. – Das Auswandererhaus in Bremerhafen, von wo die Schiffe nach Amerika abgehen, ist die großartigste Anstalt ihrer Art zur wohlfeilen und bequemen Unterkunft der Auswanderer auf dem ganzen Kontinente. Die Bremer Rheder stehen in dem Rufe großer Solidität, und sowohl in Betreff der Anzahl der Passagiere, als auch der Qualität und Quantität der Lebensmittel hält der Staat scharfe Ueberwachung. Die in Havre und Antwerpen so häufig vorkommenden Unfertigkeiten gegen Auswanderer sind daher in Bremen selten.

Für die Auswanderung nach Brasilien, Australien, Kalifornien und Mittelamerika ist ein regelmäßiger Schiffsdienst schon eingerichtet oder im Entstehen. Zwei große Dampfschiffe fahren von 4 zu 4 Wochen zwischen Bremen und New-York; die Dampfer zwischen Bremen und England gehen wöchentlich mehrmals und eine Dampfschifffahrt auf der Weser erleichtert die Verbindung mit dem Innern von Deutschland. Landeinwärts endigt die Wasserstraße bei Wanfried an der Werra, während sie von da bis Meiningen und auf der Fulda bis Hersfeld fortgesetzt werden könnte, wenn für Rektifikation und Austiefung der Flußbetten und für die Entfernung der Mühlen das Nöthige geschähe. Die Holzflöße zum Schiffbau gehen von Werningshausen unterhalb Meiningen direkt bis Bremen. Weiter aufwärts führen im Herbst und Frühjahr die Werra und ihre Nebenflüsse die Hölzer des Thüringerwaldes in kleinern Flößen herbei. – Die von dem Schiffbau abhängigen Gewerbe, Reepschlägerei etc., sind groß und blühend. Zu einer erstaunenswerthen Wichtigkeit ist in neuerer Zeit ein Gewerbe aufgewachsen, welches noch vor 25 Jahren wenig Beachtung hatte, jetzt aber 10,000 Hände und ein Kapital von Millionen beschäftigt: – die Cigarrenfabrikation. Bremen bietet diesem Geschäftsgang eigenthümliche Vortheile dar, welche die Spekulation, als das Cigarrenrauchen allgemeiner wurde, schnell zu benutzen verstand. Bremen ist namentlich der größte Tabaksmarkt in Europa und folglich kann der hiesige Cigarrenfabrikant immer die bequemste und reichste Auswahl des Materials treffen. Der Werth des Cigarrenexports steigt schon jetzt auf 3 Millionen Thaler. Bremer Cigarren gehen sogar in Menge nach Nordamerika. Dagegen ist die zwar immer noch große Fabrikation von Schnupf- und Rauchtabaken im Abnehmen. – Die Zuckerraffinerien sind nicht mehr so