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Seite:Meyers Universum 15. Band 1852.djvu/214

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Unsere Abbildung gibt eine richtige Vorstellung von der Bauart und dem Leben in den Straßen einer centroamerikanischen Stadt. Die Kirchen sind große, massive, finster aussehende Gebäude. Von desto leichterer Bauart sind die Wohnhäuser. Meist einstöckig, sind sie von an der Luft getrockneten Lehmsteinen aufgeführt, deren weit vorspringende Dächer sich auf hölzerne Säulchen stützen. – Alle Häuser sind mit Höfen versehen, in welchen einige Orangenbäume, Jasmingesträuche, Oleander- oder Rosenbüsche zu stehen pflegen. Rund um den Hof geht eine Veranda, deren hölzerne Stützen und Bogen an den maurischen Baustyl erinnern. Auf derselben bringen die Hausbewohner den größten Theil des Tages zu. Im Schatten der Bäume wird die Mahlzeit eingenommen, und auf der Veranda sind die Hängematten ausgespannt für die Siesta. Größere Zimmer haben Fensteröffnungen mit hölzernem oder eisernem Gitterwerk. Glasfenster aber sind gänzlich unbekannt, und in die kleinern Räume des Hauses fällt das Licht bloß durch die Thüre. Alle Fußböden sind mit Ziegelplatten belegt, über welche zuweilen noch zierliche Matten aus Flechtwerk gebreitet sind, die von den Indianern von Massaya mit großer Geschicklichkeit und viel Geschmack verfertigt werden. Eine besondere Decke haben die Zimmer fast niemals. Das Dach bildet sie, so daß die Luft überall aus- und einzieht.

Größere Gebäude haben wohl einen zweiten Hof, der von dem ersten durch einen Flügel des Gebäudes oder eine Mauer getrennt und durch ein Thor verbunden ist. Dieser zweite Hof enthält die Küche, wenn diese nicht in einer Ecke des Gebäudes selbst angebracht ist, und den Pferdestall. Dieser ist ein offener Schuppen, von hölzernen Säulen getragen, zwischen welchen die Thiere stehen.

Die Straßen und Plätze von Granada sind nicht gepflastert; doch haben sie erhöhte und mit Ziegelplatten belegte Trottoirs, die zwar den Fehler haben, daß sie schmal sind, dagegen den Vortheil bieten, von den weit vorspringenden Dächern gegen Sonne und Regen geschützt zu seyn. Die Straßen werden mit einem vulkanischen Sande bestreut, in welchem Magneteisenkörner einen Hauptbestandtheil bilden. Es ist der Rückstand von vulkanischem Tuff, aus welchem das Wasser die lehmigen Theile entfernt hat. Dieser schwarze Eisensand bildet am Ufer des Sees meilenweit fortlaufende, mächtige Bänke.

An die eigentliche Stadt schließen sich die Vorstädte, deren Gebäude aus niedrigen Lehmhütten mit Palmendächern bestehen. Nichts reizender als diese Häuschen unter beladenen Fruchtbäumen und zwischen blühenden Gesträuchen. Manche liegen so unvergleichlich schön, die Umgebung ist so reich, so harmonisch, so friedlich, der Gesichtskreis so groß und erhaben, die Welt umher so still, so selig, der Duft, welcher die Luft erfüllt, so süß und balsamisch, die Bewohner scheinen so zufrieden, die spielenden Kinder so glücklich, daß man eintreten und auf immer da bleiben möchte. „Wie oft“, – so berichtet mein Freund Fröbel – „ist mir der Gedanke gekommen: hier, an dieser Stelle, in dieser Hütte möchtest du leben und sterben! Wie oft hat es mir Ueberwindung