| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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„Finde ich die Prosa in den Mauern, so suche ich die Poesie außerhalb der Thore“, – sagte der alte Gellert von seinem Leipzig. Auch Liegnitz hat in seiner Nähe einen Ort, wo Helden-Geister um Mitternacht Schlachten schlagen, wie die Sage geht. Auf der Wahlstatt an der Katzbach sank das deutsche Banner, getragen vom Herzog Heinrich von Liegnitz, am 9. April 1241 mit 40,000 deutschen Männern in der Vertheidigung der Reichsgrenze gegen das zahllose Heer weltverwüstender Mongolen, und 572 Jahre später errang Blücher mit seinen Preußen auf demselben Felde den unsterblichen Sieg zur Rettung Deutschlands aus fremden Ketten.
„Aus fremden Ketten!“ – so ruft verspottend die lachende Echo,
Ruft’s und die Söhne des Teut senken erröthend das Haupt. –
Seit Jahrhunderten quälen sich die Völker im alten Europa mit Experimenten ab, ihre gesellschaftlichen Zustände zu verbessern und ein Staatssystem zu finden, welches auf Einfachheit, Weisheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit dauernd ruht. Sie sitzen in Schmerzen und Ungeduld und schmachten und dulden und sehen den Schneckengang des gesellschaftlichen Fortschritts mit an; jedem Versuch, ihn zu beschleunigen, folgt ein Rückgang
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 280. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/288&oldid=- (Version vom 14.9.2025)