Seite:Mitteilungen des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde 8.djvu/28

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24. Die Überlieferung des Volkes von einem Damm in der Lieps, der von Usadel her bis in die Gegend des Pferdeberges führe, verdient eine Nachprüfung.

25. Auf der Feldmark von Usadel, die noch zu Maschens Zeit an Grabdenkmälern und Befestigungsanlagen überreich gewesen ist, tritt in der Volkssage der „Paterenenberg“ hervor: nördlich von ihm hat Oesten eine Dammaufschüttung aufgedeckt.

26. Das an Usadel grenzende Krickow, das bisher von der archäologischen Forschung ganz vernachlässigt worden ist, war nach der Volkssage der Marktplatz von Rethra. Hier haben nach einer Sage die Wenden auf ihrer Flucht Halt gemacht und den goldenen Gott angebetet. Von einem Damm, der nach der Volkssage von den Hofgärten aus zur Lieps nach Schöne Reda hinunterführte, sind noch heute Reste vorhanden: seine Richtung wird festzulegen sein. Flurnamen wie Hexenkeller, Irrgooren u. a. sind bedeutsam. Von der „Kiwenitzkuul“ gehen Sagen um, die auf den Kult weiblicher Gottheiten hinzudeuten scheinen. In der „Krickower bäk“ haben wir den Grenzbach, der den heiligen Bezirk nach Norden hin abschloß, zu sehen: auch hier häufen sich wieder die Spuksagen, die zum Teil in sehr alte Zeit hinaufragen.

27. Die alte Heiligkeit des „Liepser Bruches“ wird in Flurnamen wie „Wiekbäk“ (das ist die ältere Namensform für das Wietbäk der Karten – der Name findet sich auch sonst bei sicher wendischen Burgwällen), „Nonnenbäk“ und „blag’ Wisch“ (beide altmythisch) bezeugt. – Auf der „kleinen Horst“ hier im Liepser Bruch liegt nach mehrfach beglaubigter Sage das goldene Kalb. – Hier war der „Wendenkirchhof“. An der westlichen Spitze des Bruches, dem „Bacherswall“, hat Oesten eine Befestigungsanlage nachgewiesen.

28. Die Gegend zwischen dem Liepser Bruch und der Insel „Hempwirel“ ist nach beachtenswerten Sagen die eigentliche Stätte von Rethra. Hier taucht am Johannistage (in allen Rethrasagen ist es wie auch sonst in den Sagen von wendischen Burgwällen immer nur der Johannistag, an dem das Untergegangene ans Licht kommt) allerlei Goldenes hervor.

29. Der Hanfwerder selbst war nach der Angabe eines Gewährsmannes, der aus guter Quelle schöpfte, die Stätte eines Tempels; hier liege der Schatz begraben. Auf der Insel, auf der früher bei der Beackerung wendische Kulturreste in sehr großen Mengen ans Licht gekommen sind, haben schon Boll und Brückner gegraben. Oesten hat hier eine Uferbefestignug nachgewiesen. Ein Steindamm führt, nach den Angaben alter Leute, unter der ganzen Oberfläche der Insel hin.

Hier auf dem Hanfwerder sind früher, was Oesten entgangen zu sein scheint, Tierknochen und Hirschgeweihe in großer Zahl gefunden worden. Es ist möglich, daß diese Funde mit der Angabe Thietmars, daß der Tempel „pro basibus diversarum sustentatur cornibus bestiarum“, in Zusammenhang zu bringen ist, wie auch in der Stadt Malchow, der Stätte eines anderen wendischen fanum cum idolis, Hirschgeweihfunde gemacht worden sind. Natürlich würde, wenn fortgesetzte Grabungen hier Spuren eines Tempels ergeben sollten, damit nicht erwiesen sein, daß wir es hier mit dem von Thietmar beschriebenen Radegasttempel zu tun hätten. Es wäre sehr wohl möglich, daß hier in der Nähe des Marktplatzes Krickow ein Heiligtum stand, in dem die niederen Volksschichten zu opfern pflegten, während der Kriegsgott Radegast auf der Fischerinsel verehrt wurde.