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Chronologisch dürften die Fundstücke in den Ausgang unserer märkischen Bronze-Zeit zu setzen sein, vielleicht in das vierte Jahrhundert v. Chr. Die Form der Urnen, die Construktion der beiden Fibeln und der Kopf der angeschmolzenen Nadel mit den herumlaufenden Wülsten repräsentiren noch deutlich die Cultur in der Hallstatt-Zeit, während das dünne Bronze-Messer in Urne 3, die kleinen, eingestanzten Ornamente und die halbkreisförmigen Einritzungen auf den Fibeln an Motive der sogenannten älteren La Tène-Zeit erinnern.

Die einzelnen Urnen waren zum Theil mit einigen Steinen umgeben, zum Theil standen sie ganz frei in der Erde. Am meisten auffallend war mir der gänzliche Mangel an Beigefässen, die doch sonst bis in noch spätere Zeit hinein auch in diesen Gegenden auf fast allen Gräberfeldern sehr häufig vorkommen. Ich habe auch unter den Scherben kein einziges Stück von einem kleineren Gefäss gefunden, alle rührten von grossen und dickwandigen Urnen her.




III. Ausgrabungen bei Klein-Leppin, Kr. West-Priegnitz, Brandenburg.

Hr. Ritterguts- und Mühlenbesitzer Müller in Klein-Leppin hatte in den Jahren 1887 und 1888 beim Abtragen eines Theiles eines kleinen Hügels dicht bei seinem Hofe zwei Urnen gefunden, von denen die eine zwei hübsche Bronze-Fibeln und mehrere andere Beigaben enthielt. Er schickte die Fundstücke unserer Abtheilung ein, und da die römische Kaiserzeit, der die Sachen angehören, aus der ganzen Mark Brandenburg noch ziemlich spärlich vertreten ist, so hatte Hr. Director Voss schon damals eine weitere Untersuchung dieser Localität beabsichtigt. Doch nahmen die Aufstellungsarbeiten in der Abtheilung und mehrere andere Reisen die Zeit so in Anspruch, dass diese Reise noch zwei Jahre aufgeschoben werden musste und ich erst im Herbst 1889 nach Klein-Leppin fahren konnte, wo ich mit der zuvorkommendsten Liebenswürdigkeit von Hrn. Müller aufgenommen wurde.

Abgesehen von wenigen, ganz unbedeutenden Scherben blieb meine Ausgrabung den ganzen Tag vollkommen resultatlos, obwohl der eine meiner Arbeiter nach seiner Aussage in dem bereits abgetragenen Theile des Hügels vor längeren Jahren wenigstens ein Dutzend Urnen gefunden hatte, die er aber natürlich, ebenso wie ihren Inhalt, achtlos bei Seite geworfen hatte. Ich liess lange Gräben nach verschiedenen Richtungen von einem Ende des Hügels bis zum anderen ziehen, ohne ein Resultat zu erzielen. Auch am zweiten Tage war am Vormittag alle Mühe vergebens, und doch sagten mir die, wenn auch noch so vereinzelt liegenden und noch so unbedeutenden alten Thonscherben klar und deutlich, dass wir eine alte Culturstätte vor uns hatten. Ich kann mir diesen Umstand eigentlich nur so erklären, dass, was mir auch durch einzelne alte Wurzeln bestätigt erscheint, dieser Platz früher, vielleicht vor mehreren Jahrzehnten, mit Wald bestanden war und dass beim Ausroden der Stämme Alles, oder wenigstens das Meiste zerstört worden ist.

Erst am Nachmittage des zweiten Tages war mir das Glück günstiger. Ich fand zuerst einen kleinen Haufen von einer ganzen Menge kleiner dicht zusammengerosteter und aneinander oxydirter oder theilweise ineinander geschobener Metallsachen, die später nur mit grosser Mühe auseinander genommen werden konnten, aber doch zum Theil noch gut erhalten waren. Es waren drei kleine silberne Nadeln mit flach-konischem oder kleinem scheibenförmigen Kopf, eine bronzene Nähnadel, oben am Oehr etwas defekt, ein leistenartiger Bronze-Beschlag, ein

Empfohlene Zitierweise:
: Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde. Asher, Berlin 1890, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:NDA_1890.pdf/13&oldid=- (Version vom 7.1.2019)