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und ergeht sich mit demselben und ähnlichen z. B.

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in geistvollem Spiel der verschiedenen Instrumente, den idyllischen Eindruck trefflich zeichnend, musikalisch jedoch sich, wie überhaupt meist bei T., selten in gefestigteren Perioden vollständig aussprechend. Diesen Stempel trägt überhaupt die ganze Ouverture. Wenig Gefühl für architektonische und symmetrische Anordnung der Motive und Tonarten, dagegen höchst fesselnde Charakterisirung, Schilderung und Instrumentirung. Die „sehnsüchtige Empfindung“ leitet das Horn ein:

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nach Desdur etc., später in 6/8 Takt.

Die „Jagdscene“ macht die 4 Sechszehntel des ersten Motivs zur Fanfare und stürmt mit vielem Feuer wechselvoll dahin. – Jane Gray selbst führt T. mit dem bekannten Meistersingermotiv ein:

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Dies halte ich besonders wegen des hier am Meisten fühlbaren Mangels an jeder Ausführung und Festigung für die am Wenigsten glückliche Partie, um so fühlbarer, je öfterer oder unvermittelter es wiederkehrt[1]. Von hier an hat es mir auch nicht mehr gelingen wollen, das Programm mit der Musik in Uebereinstimmung zu bringen. Auf die Wiederholung des Jane-Gray Motives folgt nämlich ein kurzer feierlich marschartiger Uebergang, hierauf ein leidenschaftlicher Anlauf zu folgendem in Anlage und Instrumentirung schönen Gedanken, auch etwas mehr ausgeführt und gesteigert.

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An seine Stelle tritt in Bmoll agitato ein charaktervoll bedeutenderer, düsterer Uebergang mit grollenden Triolenbässen und scharfeinschneidenden Interjectionen. Die Stimmung wird wieder elegischer, bald jedoch tritt in den Bässen ein neues düster leidenschaftliches Motiv in Hdur dazwischen, aber nur 4 Tacte lang. Nun Adagio maestoso 4 Tacte lang mit dem Hduraccorde einleitende pianoAnapästen der Hörner und Fagotte, zu denselben auch tremolo’s von Pauke, Vlcellen und Contrabässen(?); auf fis, gis, fis mf 2maliges Aufstöhnen der Trompeten und Posaunen, und nun Beides nochmals. Generalpause und folgender gemüthvolle Gedanke (Hörner, Fagotte und Vclle):

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an welchen sich wiederum das Motiv der Jane Gray schließt, und zwar erst in Fisdur und hierauf in Edur! Unvermittelt fährt in denselben ein charakteristisches Furioso stringendo (wahrscheinlich Maria Tudor’s Wuth) in 5/4 Tact. Nachdem

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Neue Zeitschrift für Musik - Notizen und Artikel über Werke von Ladislas Tarnowski 1870-1878. C. F. Kahnt, Leipzig 1870-1878, Seite 387. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Neue_Zeitschrift_f%C3%BCr_Musik_-_Notizen_und_Artikel_%C3%BCber_Werke_von_Ladislas_Tarnowski_1870-1878.pdf/29&oldid=- (Version vom 20.8.2021)
  1. Bei Wagner dagegen erscheint es bekanntlich stets nur als gangartiges Mittelglied eines festgeschlossenen Satzes.