Seite:OAB Sulz.djvu/039

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Hopfau. Ebendaselbst kam auch noch 1859 ein sporadischer Fall im Pfarrhause vor.

Das Scharlachfieber kam nur 1809/10 in Holzhausen vor. In neuester Zeit, wo dasselbe fast im ganzen Lande wüthet, blieb der Oberamtsbezirk bis jetzt (April 1863) ganz davon verschont.

Um so zahlreicher ist die Zahl der Masernepidemieen. Solche grassirten: 1818 fast im ganzen Bezirke, 1824 und 1828 in Sulz, 1829 in Weiden, 1833 in Binsdorf, 1834 in Dornhan, 1835 in Sulz und Holzhausen, 1838 in Mühlheim, Bergfelden, Renfrizhausen, Vöhringen, Wittershausen, Sigmarswangen, Dürrenmettstetten, Hopfau, 1839 in Leinstetten, 1843 sehr bösartig in Rosenfeld, Aistaig und Weiden, 1847 in Hopfau, 1848 fast im ganzen Oberamt.

Der allgemein herrschende Krankheitscharakter, wenigstens der letzten 5 Jahre, war entschieden der catarrhalische; Catarrhfieber, Bronchiten, Lungen- und Brustfell-Entzündungen spielten eine Hauptrolle. Grippe herrschte in dieser Zeit – bei Jung und Alt – epidemisch, mit nicht gutartigem Verlauf. Betrachtet man die Krankheiten bezüglich ihrer Mortalität, so ist die Lungenentzündung unbedingt die schlimmste, da sie besonders im Kindes- und Greisenalter große Verheerungen anrichtet, und bei älteren Personen fast durggängig mit schweren nervösen Erscheinungen beginnt. Die häufige Entstehung dieser Krankheit erklärt sich aus der freien, dem rauhen Winde äußerst ausgesetzten Lage der meisten Ortschaften des Oberamts.

Croup ist mit Ausnahme von Sulz und den Mühlbachorten, wo er zuweilen vorkommen soll, selten. Größere Keuchhusten-Epidemien kamen vor: 1837 in Renfrizhausen, 1859 in Sulz, 1860 (jedoch sehr gutartig) in Rosenfeld, Vöhringen, Holzhausen, Sigmarswangen.

Sehr häufig sind: Lungentuberculose und Emphysem, namentlich in den bergigen Gegenden des Bezirks. Auch Tuberculose des Kehlkopfs (sogen. Halsschwindsucht) gehört nicht zu den Seltenheiten.

Zunächst an Häufigkeit stehen den catarrhalischen die rheumatischen und erysipelatosen Krankheitsprocesse. Zwar ist Rheumatismus acutus nicht gerade häufig, um so mehr aber rheumatische Fieber, durchweg von profusen Schweißen und oft enormer Frieseleruption begleitet, ferner das zahllose Heer der sog. vagen, Muskel- und andern chronischen Rheumatismen, wie rheumatisches Zahnweh, Ohrenweh, Gelenksentzündungen, Keratitis rheumatica, letztere besonders während des Herbstes 1862 ziemlich verbreitet. Gerne entwickeln sich Herzklappenfehler und Herzhypertrophie im Verlauf des

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Sulz. Karl Aue, Stuttgart 1863, Seite 039. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAB_Sulz.djvu/039&oldid=- (Version vom 1.8.2018)