Seite:OAEßlingen 183.png

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vielleicht von dem Namen Diez, den noch jetzt einige Familien hier führen) waren die Eßlinger Patrizier Burgermeister, welche sich daher auch v. Deizisau nannten. Zuerst hieß dieses Geschlecht von seiner Wohnung zu Eßlingen „im Kirchhof“ (1233 Conradus 1238 Marquardus in Cimiterio) seit 1297 von der durch seine Mitglieder häufig bekleideten Würde Burgermeister; es theilte sich in mehrere Zweige, hatte auch Güter in Hedelfingen, Köngen, Rohracker, Canstatt, Rommelshausen, Schmiden, Wendlingen, Neuhausen auf den Fildern, Grözingen und Baltmannsweiler und starb 1774 aus. Ihr Wappen war ein in vier Felder getheilter Schild. (S. Pfaffs Geschichte Eßlingens S. 28 und 43.) Die Vogtei und den Vogthaber besaßen die B. als Lehen von Württemberg, den 16. April 1296 belehnte Graf Eberhard der Erlauchte den Marquard B. mit dem Vogthaber und 1408 Graf Eberhard der Milde den Eberhard B. mit der Vogtei (A. U. Gab.).

Den 29. Juli 1411 aber verkauften Marquard und Hans Brüder, und Eberhard B. an den Eßlinger Spital den Kirchensatz, Widdumhof, Kastvogtei, großen und kleinen Zehnten, sammt all ihren Gütern, Einkünften, Ehehaften, Gewaltsamen und Rechten zu D., den Vogthaber allein ausgenommen, für 950 fl. und Papst Johann XXII. bestätigte 1412 den Verkauf des Kirchensatzes (A. U. Lünig Reichs-Archiv XII. p. 225, 226, 228). Schon 1287 jedoch hatte der Spital einen Hof hier, 1365 und 1367 kaufte er 303/4 Morgen Waldes (A. U.). Den Vogthaber kauften die Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg 1420 von den Bürgermeistern und den 29 Mai 1615 überließ die Kastkellerei Stuttgart denselben nebst einer Habergült in Wangen dem Spital für andere Gülten hier und in Plieningen.

Weiter hatten in D. Besitzungen: Das Kloster Sirnau, erhielt 1268 von Irmengard v. Weinsperg agrum et aream, 1314 hat es 2 Höfe hier (A. U.); das Kloster Weil kauft 1348 Gülten, das Kloster Adelberg hat 1361 einen Hof, das Kloster Denkendorf 1589 das Kerschlehen hier. Auch das Carmeliter-, St. Clara- und Predigerkloster in Eßlingen erwarben Güter und Einkünfte in D. Das letztere kaufte einen Hof von den Bürgermeistern und ihren Verwandten 1364 und 1399 (A. U.).

Die Stadt Eßlingen kaufte 1650 von Kloster St. Blasien ein Gut, verkaufte es aber schon im nämlichen Jahre wieder an Dr. Georg Wagner, welchem es der Rath „in Betracht der großen und getreuen Dienste, die er bei vielen und langen Jahren mit Reuten und Raisen, gutem Rath und tapfern Thaten, sonderlich während des 30jährigen Kriegs der Stadt gethan“ von allen Steuern, Anlagen, Frohnen, Wachen und Diensten freite (22. Julius 1652).

Empfohlene Zitierweise:
August Friedrich Pauly: Beschreibung des Oberamts Eßlingen. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1845, Seite 183. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAE%C3%9Flingen_183.png&oldid=3359517 (Version vom 1.8.2018)