Seite:OAEßlingen 185.png

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Seitenwand noch übrig. Die solide Umfangsmauer der jetzigen Ökonomie-Gebäude ist von 1544 bis 1567 gebaut worden.

Im J. 1241 wanderten die Dominikanerinnen von Kirchheim (s. Oberamtsbeschreibung von Kirchheim S. 132) hieher aus und erbauten das Kloster zum heiligen Kreuz, nachdem sie den 23. Juni des genannten Jahres von Albert v. Alpach, der gegen die Mongolen zog, sein Gut in Sirnau um 450 Pfd. Heller angekauft hatten. Im nämlichen Jahr noch nahm sie der Bischof von Constanz in seinen Schutz, so daß sie allein von ihm und keinem niedrigeren Prälaten abhangen sollten, verlieh ihnen die Ordensregeln des heiligen Augustinus und erlaubte ihnen einen eigenen Beichtvater zu halten; Papst Innocenz IV. aber übergab sie den 14. Juli 1245 dem Schutz und der Pflege des Predigerordens, dessen Vorrechte sie genießen sollten und bestellte den Prior des Predigerklosters in Eßlingen zu ihrem Pfleger, den 20. September nahm es sie selbst in seinen Schutz, bestätigte und vermehrte ihre Privilegien, ebenso die Päpste Nicolaus IV. 1290, Bonifacius VIII. 1297, und Gregor XI. 1407 (A. U.) Auch von weltlichen Fürsten erlangten sie manche Beweise ihrer Gunst, Herzog Conrad v. Schwaben übergab ihnen 1267 das Eigenthum aller Gülten, die sie von seinen Lehnsleuten erhalten hatten oder erhalten würden, die Könige Albrecht und Heinrich VII. befreiten sie von Steuern und anderen Abgaben (1302, 1304, 1305, 1309, 1312). Diese Gnadenbriefe vermochten jedoch die Nonnen nicht gegen das Ungemach zu schützen, welches sie durch die vielen Fehden jener Zeit zu erdulden hatten. Die Päpste mußten daher mehrmals Befehle wegen Entschädigung des Klosters und Herausgabe der ihm entrissenen Güter erlassen und endlich beschloßen die Nonnen größerer Sicherheit wegen nach Eßlingen herein zu ziehen, „da einige Tempelräuber sie kurz nacheinander 6mal aus ihrem Kloster zu Sirnau gewaltsam vertrieben hatten.“ Hierzu gaben ihnen die Eßlinger und der Landvogt in Schwaben die Erlaubniß (6. August 1292) und auch König Adolph, der sich Anfangs dagegen setzte, willigte später ein, worauf der Bau des Klosters rasch vor sich ging und 1294 auf einer von Adelheid v. Gundelfingen erkauften Hofstatt auch ein Kirchhof angelegt wurde (s. oben bei Eßlingen). Im J. 1480 trennten sich die Nonnen vom Predigerorden, wurden nun dem Bischof von Constanz unmittelbar unterworfen und nahmen die „Satzung und Regel“ des Dominikanerordens an. Allein durch schlechte Haushaltung und ihr ausschweifendes ungeistliches Leben „zur Schande des geistlichen Standes und zum Ärgerniß des Volkes“ wie durch den Krieg mit Württemberg 1519 und den Bauernaufruhr 1525 geriethen die Nonnen in die äußerste Dürftigkeit, mehrere traten auch aus

Empfohlene Zitierweise:
August Friedrich Pauly: Beschreibung des Oberamts Eßlingen. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1845, Seite 185. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OAE%C3%9Flingen_185.png&oldid=2616911 (Version vom 3.5.2016)