Seite:Offenes Sendschreiben an die evangelisch-lutherische Geistlichkeit in Bayern in der Gesangbuchssache.pdf/10

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Herzen sind so verriegelt, und diejenigen, die aufgewacht, die haben nicht ausgeträumt; das Wort des Herrn kann bei ihnen nicht völlig ein- und durchdringen; sie beherbergen noch so vieles andere neben demselben.“

 Es ist allerdings wahr, daß unter den Laien – besonders in höheren Ständen – eine entsetzliche Unwissenheit in göttlichen Dingen sich findet – und ist wahr, daß ein frecher Unglaube alle Verhältnisse in einem hohen Grad unterminirt und inficirt hat; es kann nicht geläugnet werden, daß eine Gleichgültigkeit, ja selbst ein Haß gegen die Kirche überhand genommen hat, wie kaum zu einer andern Zeit und Vieler Sinne, Gedanken, Dichten, Trachten und Leben wahrhaft heidnisch geworden ist. Auch kann nicht in Abrede gestellt werden, daß sich selbst bei vielen Bessergesinnten in kirchlichen Dingen, wie z. B. in ihren Ansprüchen an ein Kirchengesangbuch, eine solche Tact- und Geschmacklosigkeit an den Tag gelegt hat, daß man lieber einen Blinden über die Farben urtheilen hört, als solche über das, was die Kirche ist und soll und was ihr frommt. Mit Gewißheit ist auch vorauszusehen, daß gegen die Einführung selbst des besten Gesangbuches ein großer Troß von Halbgläubigen, Ungläubigen, Unkirchlichen und Gewohnheitskirchengängern einen gewaltigen Lärm erheben wird.

 Aber, frage ich, sind denn diese Leute nur allein da, allein zu hören und zu berücksichtigen? Sind nicht noch viele, viele gläubige Seelen in der Kirche, die durch Predigt, Gesang und Liturgie auf ihrem allerheiligsten Glauben erbaut werden wollen? Haben wir Geistliche irgendwie Vorsicht und Rücksicht zu nehmen, so muß diese doch vor allem auf die gläubigen Kirchenglieder und darauf gerichtet seyn, was diese mit Recht fordern können. Erst fragen und erwägen, was der Haufe der Indifferenten und Ungläubigen, die vom Christen wenig mehr als den Namen haben, dazu sagen und was von ihm zu hoffen oder zu fürchten seyn dürfte, würde nicht nur nie zum Ziele führen, sondern auch im höchsten Grade ungeistlich seyn. Und sollen sich gläubige Kirchenglieder deshalb, weil sich ein Haufe von Ungläubigen, Indifferenten und Unwissenden einem guten Gesangbuche entgegensetzen würde,