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Liste.png Ferdynand Antoni Ossendowski: Schatten des dunklen Ostens

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schlauen Gulajew durch die Bolschewiken das Gesdiäfi verdorben, denn diese zerstörten das Grab des Wundertäters und warfen seine Körperreste in das Meer.

In den Palästen der Aristokratie rechnete man sich das Erscheinen des heiligen Iwan als hohe Ehre an und zahlte für dieses Vergnügen, das manchmal monatelang auf sich warten ließ und als ein glücklicher, seliger Moment gepriesen wurde, der Frau Gulajew 500 Goldrubel.

So ungefähr sah der christliche Mystizismus in den Palästen des russischen Adels aus und nebenher feierte der Teufel sein Bacchanal.

Der Okkultismus und eine krankhafte Begeisterung für die weiße und schwarze Magie beherrscht die Gesellschaft. Aber nicht als harmlose Zerstreuung und nicht aus wissenschaftlichem Interesse für diese geheimnisvollen Erscheinungen wurde dieser Mystizismus gepflegt, es war allen diesen Sitzungen immer die realste Politik beigemischt und die lebenstüchtigsten Intrigen waren im grofeen Mafestabe da stets im Spiele.


Das deutschfeindliche Orakel.

Ich erwähnte schon einmal, daß ich im Palaste des Fürsten Leuchtenberg, eines Vetters des Zaren, Unterricht erteilt habe. Ich habe dort verschiedene hohe Würdenträger aus dem kaiserlichen Hause kennen gelernt und wurde von einem der Herren zu einem Abend eingeladen, der durch eine aus Paris erst angekommene Berühmtheit beehrt werden sollte. Es war der sogenannte König des Okkultismus, Professor „Papus“. Die Seance im Hause des Fürsten Leuchtenberg verlief ohne Erfolg. Kaum wahrnehmbare Lichterscheinungen, Geräusche und Klopflaute, irgendwelche kalte Berührungen, das war alles, was dieser „König“ erreichen konnte. In den mystischen und okkultistischen Kreisen Frankreichs und Zentralasiens hatte ich schon viel bedeutenderen Sitzungen dieser Art beigewohnt.

Einige Tage nach dieser Seance kamen mir ganz sensationelle Gerüchte zu Ohren.

Im Palaste eines der einflußreichsten Großfürsten hatte Papus in Anwesenheit des Zarenpaares die Geisfererscheinung eines verstorbenen Zaren gerufen, die dem letzten Romanow den Befehl gab, eine gegen Deutschland feindlich gesinnte Politik einzuschlagen, um den Krieg gegen Preufeen heraufzubeschwören. Weiters verwahrte

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Ferdynand Antoni Ossendowski: Schatten des dunklen Ostens. Eurasia, Wien 1924, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ossendowski_-_Schatten_des_dunklen_Ostens.djvu/126&oldid=3448455 (Version vom 8.11.2018)