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Seite:Otto Richter Geschichte der Stadt Dresden Teil 1 Mittelalter.djvu/138

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der Kreuzgasse vorhanden, das Kreuzthor oder Kreuzpförtchen, das nicht unter, sondern neben dem Thurme hinausging. Wie die Stadt selbst, so war auch die Stadtmauer für Vertheidigungszwecke in fünf Viertel eingetheilt, deren Endpunkte die Thore bildeten; der Theil der Mauer vom Kreuzpförtchen bis zum Seethore hieß das Kreuzviertel, von da bis zum Wilischen Thore das lange Viertel. Ueber die Höhe und Stärke der Stadtmauer fehlt es an Angaben. Anderwärts war sie 4 bis 6 Meter hoch und 11/2 bis 21/2 Meter dick. Unzweifelhaft hat sie die Form eines Vielecks gehabt. Als Baumaterial benutzte man im 15. Jahrhundert theils Pirnaischen Sandstein, und zwar die als Gehorne oder Horzeln bezeichneten unregelmäßigen Stücke, theils den Stein von Plauen bei Dresden, den sogenannten Plauener (ein Name, der später in der verderbten Form Pläner allgemeine Verbreitung fand). Die Mauerkrone trug geradlinig eingeschnittene Zinnen, deren Oeffnungen bei Kriegsgefahr zur besseren Deckung der Vertheidiger mit Brettern verschlagen wurden; die gefährdetsten Stellen der Mauer spickte man dann mit Dornen. Auf der Mauer standen hölzerne Wächterhäuschen, auch Erker genannt, kleine, nur für einzelne Personen Raum bietende Auslughäuschen, zu denen Treppen hinaufführten. In ältester Zeit hielten die Wächter ihren Umgang um die Stadtmauer zwischen dieser und den anstoßenden Häusern oder auch außerhalb der Mauer am Stadtgraben hin. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts aber wurde für diesen Zweck an der Innenseite der Mauer ein auf Ziegelmauern ruhender hölzerner Wehrgang mit Ziegeldach errichtet; seine Vollendung hatte sich dadurch verzögert, daß das fertiggestellte Gezimmer nach dem Brande von 1491 zu anderen städtischen Gebäuden verwendet worden