Seite:Prinzessin Ilse (Marie Petersen).pdf/22

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Marie Petersen: Prinzessin Ilse

sprudelnd in der blanken Schale auf und nieder, hob und senkte ihr lockiges Köpfchen und ließ die klaren Perlentropfen klingend in das goldne Becken zurückrieseln. Der gute Vollmond, der’s nicht eben sehr genau nimmt und Alles bescheint, was ihm vorkommt, Gutes oder Böses, der konnte es denn wieder nicht lassen, dem eitlen Kinde ein zierlich Krönchen von funkelnden Silbersternchen aufzusetzen, und er zog seinen breiten Mund noch einmal so breit, vor innigen Vergnügen, als die süße Kleine dankbar lächelnd zu ihm hinauf nickte.

Nicht jedes Auge aus dem Hofstaat des Teufels schaute indessen mit Entzücken und Bewunderung auf die tanzende kleine Ilse; es gab manch eitles junges Hexchen in der Gesellschaft, welches sich selbst für die schönste und reizendste Prinzessin hielt und nur mit bitterem Neid und Aerger eine Andere so gefeiert sah. Zwei solche fürwitzige junge Hexlein traten dicht heran an die goldne Schale und verhöhnten die kleine Ilse und sagten ihr Sottisen in’s Gesicht. „Das tänzelt und dreht sich und macht sich schön“, sprach die Eine, „und ist dabei so dünn und schmächtig, daß man es durchpusten könnte. Ich möchte nur wissen, wie die blasse Schönheit sich benehmen würde, wenn sie mit dem Sturmwind tanzen sollte und sich von ihm im Kreise schwingen lassen, wie wir’s gewohnt sind.“ „Erbärmlich!“ sprach die Andere und zuckte verächtlich die Achseln; „auf dem Besenstiel die Schule reiten, das lernt sie ihr Lebtag nicht. Hörst du aber, wie drüben schon die Pauken gerührt und die Cymbeln geschlagen werden? Da sollen wir einen lustigen Reigen tanzen und den Boden zerstampfen und einen tiefen Sumpf aufwühlen, in dem die blanke Ilse wohnen soll. Dann hat die Herrlichkeit ein Ende für sie, und sie muß unsere gehorsame Dienerin werden, die Prinzessin Kochwasser.“

Empfohlene Zitierweise:
Marie Petersen: Prinzessin Ilse. Alexander Duncker, Berlin 1857, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Prinzessin_Ilse_(Marie_Petersen).pdf/22&oldid=- (Version vom 29.11.2017)