Seite:Prinzessin Ilse (Marie Petersen).pdf/23

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Marie Petersen: Prinzessin Ilse

Der kleinen Ilse, welche Alles mit angehört, war alle Tanzlust vergangen bei den argen Reden der jungen Hexen. Sie saß wieder still im Boden der Schale, sah all die wilden Gestalten nach der anderen Seite des Berges ziehen und sich dort zum Tanz ordnen, und dachte darüber nach, was die höhnischen Worte der bösen Hexen wohl eigentlich bedeuteten möchten. Das Sticheln mit dem Sturmwind hatte sie schon tief verdrossen; aber das größte Bedenken machte ihr der Sumpf und die Prinzessin Kochwasser. Prinzessin Kochwasser hatte sie doch noch Niemand genannt, und sie, die hier herrschen sollte, konnte ja unmöglich den Hexen dienen. Sie dachte schon daran, den Herrn des Brockens, der eben gerade auf sie los schritt, um Auskunft zu bitten; ehe sie aber noch ihre Worte geordnet hatte, stand er schon vor ihr und tippte mit dem Finger mitten hinein in die goldne Schale, das die kleine Ilse vor Schmerz erzitterte. Der Teufel aber lachte wieder und sagte: „Die Nacht ist frisch, allergnädigste Prinzessin; ihr fühlt euch schon ganz kalt an und müßt ja frieren hier in dem flachen Becken. Ich lasse euch dort am Feuer ein warmes Schaukelbett zurecht machen; da mögt ihr ausruhen und euch wärmen. Wenn ihr euer strahlendes Haupt nach jener Seite wenden wollt, so werdet ihr sehen, wie meine alte Oberhofküchenmeisterin geschäftig ist, das Feuer zu schüren und euch schöne Spielsachen in das Bett zu legen, damit euch die Zeit nicht lang werde. Kommt und laßt euch von mir hinüber tragen.“

Die kleine Ilse blickte nach der anderen Seite und sah, daß man einen tiefen ehernen Kessel über ein lustiges Feuer gehängt hatte, das flackernd vom Boden empor loderte. Die alte Frau, die dabei stand, sah aber so scheußlich und grausenerregend aus, und die Spielsachen, die sie in den Kessel warf, so sonderbar, daß die kleine

Empfohlene Zitierweise:
Marie Petersen: Prinzessin Ilse. Alexander Duncker, Berlin 1857, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Prinzessin_Ilse_(Marie_Petersen).pdf/23&oldid=- (Version vom 1.8.2018)