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Liste.png Marie Petersen: Prinzessin Ilse

Das, dachte er, würde sie zum Umkehren zwingen und sie auf den Brocken zurück treiben.

Der Nordwind gab sich auch alle Mühe, des Teufels Gebot zu erfüllen. Er that sein Möglichstes mit Sausen und Heulen und Krachen, rüttelte an den Bäumen, daß sie bis in die Wurzeln erbebten, und schleuderte ihre gebrochenen Aeste auf den Boden herab der kleinen Ilse gerade vor die Füße. Eine jugendliche Tanne, die in der steilen Felswand noch nicht recht festen Fuß gefaßt hatte, die stürzte er quer über ihren Weg, und packte den wehenden Schleier der kleinen Ilse und wollte sie mit sich fort schleppen. Die kleine Prinzessin riß sich aber los, und achtete es nicht, wie viel von ihrem Schleier in den Händen des Nordwinds zurück blieb. Sie dachte jetzt nicht an sich und fürchtete nichts für sich, – sie trug nur die Noth ihrer lieben Bäume auf dem Herzen und hätte ihnen so gern gegen den Sturm kämpfen helfen, wenn sie es nur vermocht hätte. So stieg sie nun klagend zu der gestürzten Tanne hinab, warf sich über sie hin, überströmte sie mit ihren Thränen und wusch mitleidig ihre Wunden. Die kleinen, grünen Buchen und Eichenzweiglein, die der Nordwind ihr in den Schooß warf, die wiegte sie zärtlich in ihren weichen Armen, küßte ihre welken Blätter und trug sie eine Strecke mit sich fort, bis sie sie endlich sanft in’s schwellende Ufermoos bettete.

Und der Teufel stand noch immer auf dem Brocken und knirschte ingrimmig mit den Zähnen, als er sah, wie der Nordwind sich vergeblich anstrengte und nichts ausrichten konnte bei der kleinen Ilse. „So will ich denn den Winter ausschicken“, murmelte er vor sich hin, „der soll sie knebeln und in Fesseln schlagen. Der öde, graue Winter, mit Hunger und Kälte, mit langen, dunklen Nächten, in denen die

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Marie Petersen: Prinzessin Ilse. Alexander Duncker, Berlin 1857, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Prinzessin_Ilse_(Marie_Petersen).pdf/32&oldid=- (Version vom 1.8.2018)