Seite:Prinzessin Ilse (Marie Petersen).pdf/40

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Marie Petersen: Prinzessin Ilse

Menschen gab es auch schon lange in dem Thal, wo die kleine Ilse wohnte, und die kleine Ilse hatte anfangs gar spröde zu ihnen gethan und der Tannenbaum seine liebe Noth gehabt mit Hofmeistern und Erziehen, ehe er das Kind dahin brachte, daß es freundlich mit ihnen war und sich an ihren Umgang gewöhnte. Die ersten Menschen, die in den Wald kamen, das waren ein paar Köhlersleute, die sich dort eine Hütte bauten, Bäume fällten und ihren Meiler aufrichteten und anzündeten. Da hatte die kleine Ilse viele, viele Thränen geweint über ihre lieben Bäume, die, von scharfer Axt gefällt, sterbend am Boden lagen, und die Gräser und Blumen hatten geklagt und gewimmert, als die Menschen einen Pfad durch die Wildniß traten und ihnen die Köpfchen zerdrückten, daß es der kleinen Ilse durch’s Herz schnitt. Die Flämmchen, die aus dem Meiler aufzuckten, und die Dämpfe, die daraus empor stiegen, die erinnerten sie an die Schreckensnacht auf dem Brocken und flößten ihr erst rechtes Entsetzen ein. Der Tannenbaum, der hatte ihr aber gesagt, daß der Mensch der Herr der Schöpfung sei, den Gott nach Seinem Bilde geschaffen, und daß alle anderen Geschöpfe bestimmt seien, ihm zu dienen; daß auch jeder Baum seine Zeit ausdauern müsse, die der Herr ihm gesetzt, und dann zu Boden gefällt werde, von der Hand des Menschen, oder den Blitzen des Himmels, oder von dem Brand und der Fäulniß, die von innen sein Mark zerstöre. Vor dem Feuer solle sie sich auch nicht fürchten, das sei eine heilige Kraft, die viel Gutes wirke auf Erden, wo sie mir weise gebraucht werde; die kleine Ilse werde das auch noch einsehen lernen und dem Feuer künftig näher kommen, ihm die Hand reichen und gern mit ihm in Gemeinschaft arbeiten.

Prinzessin Ilse freute sich zwar nicht auf die Zeit, wo sie dem Feuer näher

Empfohlene Zitierweise:
Marie Petersen: Prinzessin Ilse. Alexander Duncker, Berlin 1857, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Prinzessin_Ilse_(Marie_Petersen).pdf/40&oldid=- (Version vom 1.8.2018)