Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/92

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Eines Morgens hatte der Jüngling die Sprachwurzel auch im Munde und lauschte auf ein Gespräch, das in der Ferne die alten und die jungen Schwalben führten. Darüber achtete er der Fliege nicht, welche ihm sagte, daß sein Herr sich den Frühtrunk wünsche. Als er ihm endlich diesen brachte, wollte der ihm sogleich die Nase abschneiden. „O Herr,“ sprach der Jüngling, „hätte ich gewußt, daß es mir um dieser geringen Versäumniß willen bereits also ergehen sollte, so hätt’ ich mich nicht losgerissen von dem Gespräch, an dem meine Ohren hingen und um dessen willen ich in die Versäumniß fiel.“ „Was hörtest Du denn?“ forschte der strenge Herr. „Ich hörte,“ antwortete der Jüngling, „wie die Schwalben sich zankten um die Prinzessin mit goldenen Haaren. Die alten Schwalben holen sich die goldenen Haare, welche die Prinzessin jeden Morgen auskämmt und aus dem Fenster wirft, und bauen ihre Nester damit; nun wollen die jungen Schwalben auch gern goldene Haare von der Prinzessin haben, aber die alten wollen ihnen keine mitbringen und darum sagten sie zu ihnen: wenn sie sich ein Nest von goldenen Haaren machen wollten, so sollten sie sich selber welche holen.“ Da sprach der strenge Herr: „Könnte ich die Königstochter mit goldenen Haaren einmal sehen, so wollte ich Dir gern Deine Nase lassen.“ Sogleich sprach die Fliege zu dem Jüngling: „Ich will Dich hinführen und es so einrichten, daß Du Deinem strengen Herrn die Königstochter mit goldenen Haaren zeigen und daß Du selbst sie heirathen kannst. Nimm den Lohn, den Du in den fünf Jahren bekommen und im Koffer liegen hast, kleide Dich prächtig davon und reise mit mir nach Sicilien,

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/92&oldid=- (Version vom 1.8.2018)