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Liste.png Heinrich Heine: Reisebilder von H. Heine. Erster Teil

Gemüth war, je mehr ich mich von Göttingen entfernte, allmählig aufgethaut, wieder wie sonst wurde mir romantisch zu Sinn, und wandernd dichtete ich folgendes Lied:

     Steiget auf, Ihr alten Träume!
Oeffne dich, du Herzensthor!
Liederwonne, Wehmuthsthränen
Strömen wunderbar hervor.

     Durch die Tannen will ich schweifen,
Wo die muntre Quelle springt,
Wo die stolzen Hirsche wandeln,
Wo die liebe Drossel singt.

     Auf die Berge will ich steigen,
Auf die schroffen Felsenhöh’n,
Wo die grauen Schloßruinen
In dem Morgenlichte stehn.

     Dorten setz’ ich still mich nieder
Und gedenke alter Zeit,
Alter blühender Geschlechter
Und versunk’ner Herrlichkeit.

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Heine: Reisebilder von H. Heine. Erster Teil. Hoffmann und Campe, Hamburg 1826, Seite 133. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Reisebilder_1.pdf/141&oldid=- (Version vom 13.9.2021)