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Liste.png Text von Wilhelm Tappert: Richard-Wagner-Galerie

XIV.
WOTAN’S ABSCHIED VON BRÜNHILDE.


„Leb’ wohl, du kühnes, herrliches Kind!“


Am nächsten Morgen soll der Kampf zwischen Siegmund und Hunding stattfinden. Wotan befiehlt Brünhilden, der Erstgeborenen unter den Walküren, aus dem Streite den Wälsung als Sieger hervorgehen zu lassen. Doch Fricka, Wotans Gemahlin, die Hüterin der Ehe, fordert die Bestrafung Siegmunds. Sie weiss den Gott von der Nothwendigkeit dieses Ausgangs zu überzeugen, er ändert seinen Sinn und verlangt auch von Brünhilde, die von allen Walküren seinem Herzen am nächsten steht, dass sie die Fehde zu Gunsten Hundings wende. Siegmund soll fallen! Brünhilde, den Zwiespalt im Herzen des Gottes erkennend, beschliesst, das zu thun, was der Vater im Grunde seiner Seele wünscht: sie will den Wälsung schützen.

Sieglinde ist aus Siegmunds Umarmung aufgefahren zu wilder Flucht, sie glaubt, des Geliebten nicht würdig zu sein. Vergebens ist dieser bemüht, die Verzweifelnde zu beruhigen. Hundings Schaar nähert sich dem Verfolgten, Sieglinde ahnt Siegsmunds Tod und sinkt ohnmächtig in seine Arme. Nun erscheint Brünhilde, dem Helden die Aufnahme in Walhall verkündend. Aber er will nicht die Wonnen Walhalls, wenn seine bräutliche Schwester ihm nicht folgen darf, mit ihr will er nach der düsteren Unterwelt! Muss er sterben, dann will er Sieglinde zuvor tödten. Schon zieht er das Schwert, – Nothung hiess er es, weil die höchste Noth es ihm gereicht, – zwei Leben will er mit einem Schlage vernichten.

Den Regungen des Mitgefühls folgend, beschliesst Brünhilde, Wotans ersten und eigensten Wunsch zu befolgen:


Halt ein, Wälsung, höre mein Wort!
Sieglinde lebe – und Siegmund mit ihr!
Das Schlachtloos wend’ ich,
Dir schaff’ ich Segen und Sieg!


Hunding ist heran gekommen, zum tödtlichen Streiche holt Siegmund aus, begeistert durch die Zurufe der Walküre, da tritt Wotan aus dem Gewölk, an seinem Speere zerschellt Nothung; Siegmund wird von Hunding getödtet. Hastig nimmt Brünhilde die ohnmächtige Sieglinde auf ihr Ross und verschwindet aus den Augen des zürnenden Gott-Vaters. Schmerzlich

Empfohlene Zitierweise:
Text von Wilhelm Tappert: Richard-Wagner-Galerie. Hanfstaengl’s Nachfolger, Berlin 1876, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Richard-Wagner-Galerie.pdf/96&oldid=- (Version vom 1.8.2018)