Seite:Ringelnatz Die gebatikte Schusterpastete.pdf/13

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Oder nein!! Besser schon gehst du

5
Damit zum Lehrer. – Ich will dir nur Eines sagen:

Gehe niemals zur See!! Verstehst du?
Denn das Seemannsleben ist sauer ernst und schwer;
Und wie du mich hier mit meinem weissen Bart
Siehst – du dummer Bengel, so kik doch her! –

10
Habe ich mir bis heute noch keinen Groschen erspart.


Mein lieber Heini! du bist heute konfirmiert oder eingesegnet.
Ich schenke dir hiermit, weil du nun eingesegnet oder gefirmt
Bist, diesen Schirm. Nicht, dass er dich jemals beschirmt.
Sondern, wenn’s mal recht kabelgarndick vom Himmel regnet,

15
Sollst du ihn an der nächsten Kante in Stücke zerschlagen.

Denn ein rechter Kerl muss jedes Wetter vertragen
Und nur auf Gott und seinen Kaptein vertraun.
Und sollte dir jemals jemand was andres sagen,
Dem musst du deine Seekiste über den Bregen haun.

20
Weil ein Mann sich soll as ein Kerl benehmen,

Und lass dich nicht vor den Landratten lumpen.
Wenn wir uns auch mal im Hafen den Schlauch vollpumpen,
Deswegen braucht sich von uns an Deck keiner zu schämen.
Denn jedes Frauenzimmer will sich doch mal amüsieren,

25
Und als Schiffsjunge heisst es vor allem parieren.

Wenn einem draussen solch dicker Teifun
Durch Nase und Arschloch pfeift, – –
Dann hättest du Grossvater Daddeldun
Sehen sollen, wie er den Jungens die Eier schleift!

30
Hauptsache ist, dass man nur richtig die Lage peilt.

Was die Studierten predigen, das ist alles Beschiss.
Mein erster Bootsmann hat sich viermal die Syphilis

Empfohlene Zitierweise:
Joachim Ringelnatz: Die gebatikte Schusterpastete. Meyer, Berlin-Wilmersdorf 1921, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ringelnatz_Die_gebatikte_Schusterpastete.pdf/13&oldid=- (Version vom 1.8.2018)