Seite:Ruhlands Flurnamen Aufsatz von Lehrer C. Nicolaus, Ruhland 1931.pdf/2

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Die Einwanderung der Wenden hatte sich schon im 5. nachchristlichen Jahrhundert vollzogen. Als älteste germanische Bewohner der Lausitz werden die Semnonen bezeichnet, die bald nach Beginn der Völkerwanderung (375 n.Chr.) durch die Vandalen verdrängt wurden. Nur kurze Zeit verblieben sie in den eben gewonnenen Gebieten, dann zogen sie weiter, westwärts nach Frankreich und Spanien, und gingen endlich in Nordafrika gänzlich unter. Die wenigen in der Lausitz verbliebenen Vandalen konnten keinen festen Fuß fassen, und in das schwach besiedelte Land rückten von Osten her slawische Volksstämme, ohne irgendwelchen Widerstand zu finden. In der heutigen Oberlausitz siedelten sich die Milcziener an, in der Niederlausitz die Lusiczer. Sie lichteten die Wälder, schufen Acker- und Weideland, trockneten die Sümpfe und gründeten feste Wohnsitze. Mit dem Jahre 631 wär diese friedliche Urbarmachung des Landes beendet. Die Franken brachen in das Gebiet der Meißner Sorbenwenden ein, die sich mit den Lusitzern verbanden und die Fehde siegreich beschlossen. Um 633 wurden auch die Thüringer besiegt, und die slawischen Stämme hatten bis zum Jahre 774 Ruhe, als die Sachsenkriege Karls des Großen begannen. Die Wenden wurden in die Feindseligkeiten verwickelt; 783 errang Karl einem vollständigen Sieg über die Sachsen, und nun erhielt Karls Sohn Ludwig der Fromme den Auftrag zur Bestrafung der Wenden, der mit ihrer Unterwerfung in der Schlacht bei dem schon damals befestigten Buddissin (Bautzen) endete. Noch einmal lodert die Kriegsfackel auf, der Sachsenherzog Kaiser Heinrich I (919-936) schlägt 923 die heidnischen Wenden unter Radbot in einer furchtbaren Schlacht am Koschenberge. Die überlebendem Wenden lassen sich taufen, deutsche Kultur und christiche Religion haben damit auch in der Lausitz Eingang gefunden. Später wurden auch deutsche Ansiedler aus Franken, Bayern, Hessen, Thüringen und Holland in das Land gerufen, die verfallenen Wendendörfer wieder aufgebaut und das Gebiet unter die Bauern deutscher und wendischer Abkunft verteilt. Die Stammesunterschiede, die Sitten und Gebräuche haben sich im wesentlichen erhalten, und wo besonders in den Grenzgebieten das Wendentum dem stärkeren deutschen Volkstum weichen musste, haben sich aber doch viele wendische Familiennamen, Orts- und Flurbezeichnungen erhalten, die in den heutigen verdeutschten Namen ganz oder teilweise noch zu erkennen sind.

Einer Schilderung unserer Stadt durch den Senator und Akziseeinnehmer Georg Bürger vom Jahre 1729 entnehmen wir, daß schon damals, vor 200 Jahren, die noch heute gebräuchlichen Flurnamen bekannt waren In der Schilderung heißt es: “Zu der Stadt Flur und Weichbilde gehören der Kommune: Ein Stück Holz von Tannen, Kiefern, Fichten und Erlen, so der Diebswinkel heißt, grenzt gegen Morgen ans Schwarzbachsche„ gegen Mittag und Abend mit der Stadtflur, gegen Mitternacht an die Elster und gegenüber Naundorf. Ein mit Erlen bestandener Sumpf, der Bärbusch genannt, ist rundum mit Wiesen umgeben. An Hutungen: in der herrschaftlichen Heide und sogenannten Bahne und so herum bis an die Mückenberger Dämme, die Kieinkmehlensche Heide durch, wie zu jeder Zeit üblich, hergebracht und berechtigtermaßen im Gebrauch gewesen; Haynksrand, Harakswinkel, Bälgensträucher, Diebswinkel, hinterste, wüste und große Wiesen, Lachensläukchen, kleine Tarnauken, beim Guteborner Bänker nach dem Schwarzbacher Vorwerk zu, vorderste, mittelste und hinterste Tarnauken, der Gänsesteig, der Büttelgarten im Schrotschack, die hohe Trift bei der Herschenzmühle und dië hintersten, sogenannten ledigen Stücke (vom wendischen lado Wüstung, Lehde=Brachland) bis an die Fraundorfer