Seite:Ruhlands Flurnamen Aufsatz von Lehrer C. Nicolaus, Ruhland 1931.pdf/4

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der Ruhländer Fluren bildet die Elster (von althochdeutsch alistra = der Raschbach oder Hellfließ, nach Mucke, Bausteine zur Heimatkunde des Kreises Luckau) und der Binnengraben, im Volksmunde als Bindegraben bezeichnet. Die Regulierung des Elsterflußbetts um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hat auf die Grenzührung wenig Einfluß gehabt, da der Binnengraben im großen ganzen seinen alten Lauf behalten hat. An der Einmündung der Pößnitz überschreitet die Stadtflurgrenze die Elster. Von dort dehnt sich Jungrichters Kaupe bis an den Binnengraben. Südlich von diesem bis fast zum Schwarzbacher Wege liegt der „Raackschen” Mit der Bildung des Namens Raackschen kann es folgende Bewandtnis haben: im wendischen ist „rak” der Krebs, und da vor der starken Industrialisierung unserer Lausitz die Flußläufe und Gräben reichen Krebsbestand hatten, ist eine Verbindung damit beinahe wahrscheinlicher als die Deutung, daß der Raakmüller seine Ländereien in diesem für ihn entlegenen Klurwinkel liegen haben sollte. Hinter dëm Raackschen in Richtung auf Schwarzbach bis an den Grenzgraben liegt der Diebswinkel, der sich auch über die Kohlfurter Bahn erstreckt. 1550 hat nach der Chronik „die Lauermannsche Räuberbande arg in unserer Gegend gehaust” und in jenen Waldstücken sich verborgen gehalten. Daraus soll der Name Diebeswinkel entstanden sein. ”Der Diebeswinkel, ein sumpfiger, wild mit Busch und Strauchwerk bewachsener Bruch am Schwarzbacher Kirchenwege, sowie die Ternauken am Guteborner Wege waren dicht mit Föhren, Fichten und Eichen verwachsen, finstere, schauerliche Waldungen, in denen es am hellen Tage düster war, weil kein Sonnenstrahl durch die Zweige dringen konnte und in denen es Wild aller Art, aber auch giftige Schlangen und Ottërn im Menge gegeben, und der Gegend ein düsteres und schauerliches Aussehen boten, wo Reisende am hellen Tage sich ohne Führer nicht durchzureisen wagten. Die Rabekaupe (heute als Räuberkaupe bezeichnet) war eine weißbuchene Waldung, wo wilde Schweine, Hirsche, Rehe, und im Schmalersbusche sich viele Schmaltiere befunden. Dabei gab es viele Raubtiere und Raubvögel in hiesiger Gegend.” (Dahlmannsche Chronik). Das große Flurgebiet zwischen Kohlfurter Bahn bezw. dem Schwarzbacher Wege und der Guteborner Chaussee von der Badeanstalt an bis zum Grenzgraben ist in allem seinen Stücken an Feld, Wiese und Feld benannt. Zwischen Chaussee und Badeanstalt liegt das Läukchen, das im Volksmunde zum Leikchen umgeformt wurde. Die Waldstücke hinter dem Badeteiche und der künftige Sportplatz der Freien Turnerschaft gehören zum Lachensläukchen, auch als Lachmunds Läukchen geführt. Bis zum Dürrbachgraben liegen Ländereien "bei und vor den großen Wiesen”„ während diese selbst östlich des Grabens sich hinziehen. Bei den Umfragen nach einer Ausdeutung des Namens „Dürrbachgraben” kam mir ein interessanter Artikel im Fachorgan des Deutschen Sportvereins (aus dem 43. Jahrgang 1928) in die Hände. Im Gothaer Ländchen führt ein kleines bescheidnes Bächelchen, der ”dürre Amtsbach” genannt, ein kümmerliches Dasein. Der Name wird dort so erklärt, daß aus dem Grundbegriff “der Bach” im Dialekt ”derre Bach“ wurde, und da das Wässerlein häufig versiegte, faßte man kurzerhand das Geschlechtswort „derre“ als mundartliches ”dürre” auf: der dürre (Amts)bach. Tatsächlich liegt auch für unsern Dürrbachgraben eine ähnliche Vermutung über die Namensbildung durchaus nicht fern, zumal auch eine Katasterbezeichnung ”Derbbachgraben” lautet. Doch - wie gesagt - endgültiges ist nicht zu finden.

Am Großen-Wiesen-Graben aufwärts gelangt man dann in Bauerswinkel und weiter bis an die Guteborner Chaussee in die Hölle, an die

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C. Nicolaus: Ruhlands Flurnamen. , Ruhland 1931, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ruhlands_Flurnamen_Aufsatz_von_Lehrer_C._Nicolaus,_Ruhland_1931.pdf/4&oldid=3030410 (Version vom 30.7.2017)