Seite:Ruhlands Flurnamen Aufsatz von Lehrer C. Nicolaus, Ruhland 1931.pdf/6

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„Müllers Grube“, einen kreisförmigen Teich. Das Schwarzwasser, von dem südlich Armsdorf der Sieggraben abzweigt, führt den Namen „Mühlbach“. Der Arnsdorfer Kirchenfußsteig, kurz der Kirchweg, überschreitet ihn und bietet eine für den Fußgänger angenehme Abkürzung, um von Straßenstaub und Benzindunst verschont nach Arnsdorf zu gelangen, dorthin führt auch von der Überführung der Falkenberger Bahn über die Großenhainer Strecke nach Süden der Scherenweg.

Beim Bahnübergang an der Herschenzmühle, ehemals Herschinsmühle genannt - schon 1604 bestand diese Mühle, ihr Besitzer schrieb sich Herschentz - beginnt der reizvolle Prinzeß-Luisen-Weg, der vom hiesigen Verein für Heimatpflege (s.Zeit Verschönerungsverein) im Juli 1908 zu Ehren der Prinzessin von Schönburg-Waldenburg, der verstorbenen Mutter des jetzigen Schloßherrn auf Guteborn, geschaffen wurde und durch Anlage des Heldenhains ein sehr gesuchtes Ziel für Spaziergänger geworden ist. Die Grumdstücke am Schwarzwasser werden als „am Mühlbach“ liegend bezeichnet; die großen Waldflächen westlich der Herschenzmühle um die Bahnunterführung herum weisen auch keine besondere Bezeichnung auf. Dagegen sind die Fluren am Sieggraben entlang unterschiedlich gekennzeichnet. So durchfließt er im Süden des Kommunalgebiets den Jeser oder Jieser, in dem vormals die Büschchenschäferei lag. Reste davon sind heute noch zu finden, und Nachkommen des letzten Büschchenschäfers namens Nevoigt leben noch heute in Ruhland. Jeser ist vielleicht von dem wendischen Jasen = Esche herzuleiten. Auch eine Verbindung mit jezor = See ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Im Kreise Calau liegt der Ort Groß-Jehser, dessen Nämensbildung ebenfalls auf jasor = See zurückgeführt wird. Vom Büschchenschäfer Müller wird eine hübsche Geschichte erzählt. Er trank sich gern, bëi Zieglern in der Fischerstraße, einer Branntweinschenke in dem Hermannschen Hause, den nötigen Mut an, und wenn er gefragt wurde, wie er denn bei Nächt und Nebel heimkomme, da er doch über den Siegraben müsse, antwortete er mit verächtlicher Überlegenheit: „Dann nehme ich eben den einen Pantoffel in die und den andern in die Hand und reite einfach über den Balken !“ Trotz seines gestörten Gleichgewichts soll er nie mit den kühlen Fluten Bekanntschaft gemacht haben.

Auch über den Namen „Siegraben“ läßt sich einiges sagen. Eine alte Sage schreibt die Entstehung des Namens dem Siege zu, den der Graf Rolando von Blaye, ein Vetter Karls des Großen, 790 über die Wenden davongetragen haben soll. Natürlich ist es möglich, daß sich der Name sich bis in die Gegenwart erhalten hat. Eine Karte von 1757 enthält auch den gleichen Namen. Hingegen ist im Plan der Separations-Kommune von 1878 die Bezeichnung ”Siechgraben“ eingetragen. Ob hier ein Hörfehler vorliegt - ähnlich wie bei der Tiefwinkelwiese, die das amtliche Meßtischblatt an der Grenze des Diebswinkels aufweis, oder ob man an seicht, versiegen zu denken hat, ist heute nicht endgültig zu entscheiden. Das jetzt trockene Flußbett des alten Sieggrabens, an dem die alte Pappel stand, ist flach genug, um den Eindruck zu verstärken, daß auch Sieggraben als seichter Graben seine Berechtigung hat.

Kurz vor dem Zusammenfluß von Sieggraben, Binnengraben und Schwarzer Elster dehnt sich beiderseitig Wiesengelände aus, westwärts bei der Furt die Dienstwiese und die Rohrwiesen mit der ehemaligen prinzlichen Jagdhütte, östlich die Bahnwiese und die Randwiesen. Wir kehren zurück zur alten Pappel am Parschkenwege. An ihn grenzt nach Süden der Parschken oder Perschken und bei der Abzweigung der alten Poststraße nach Ortrand die Heidetrift.