Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/14

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

des genialen und tatkräftigen Kurfürsten Moritz, des Eroberers der Kurwürde für die Albertiner, derjenige Fürst, der, unter dem Einfluß der Renaissancebildung zuerst von einer allseitigen Sammelleidenschaft ergriffen, dieser durch die Gründung einer Kunstkammer nach dem Sinn seiner Zeit und nach seinen vorwiegenden Interessen Organisation und Ausdruck gab. In dieser waren Werke der sogenannten hohen Künste nur vereinzelt vertreten, weil das Interesse der Sammler diesseits der Alpen mehr den verschiedensten Gebieten der Naturwissenschaften und der Technik zugewendet und ihr Geschmackssinn für künstlerisch veredelte Handwerksarbeit besonders ausgeprägt war. So finden sich also in der alten Kunstkammer Geräte und Gefäße sowie Gebrauchsgegenstände aller Art, auch Werkzeuge, Instrumente und Modelle, diese allerdings in oft wertvoller künstlerischer Bearbeitung, daneben gedrehte Arbeiten aus Elfenbein, Holz und Serpentin, Bücher über alle Gebiete der Technik, Klebebände mit Kupferstichen und Holzschnitten und Ölbilder, bei denen das Interesse am Inhalt voranstand.

Die Kunstliebhaberei war damals in unseren Landen noch verquickt mit allen anderen Interessen, insbesondere die fürstliche Kunstliebhaberei. Zuhöchst schätzte sie den Besitz von Gegenständen kostbaren Materials, die als Erbe der Vorfahren bewahrt und möglichst bereichert wurden, sei es, daß sie zum Schmuck der Person verwendet, oder als prunkvolles Haus- und Tischgerät geschätzt und bei besonderen Gelegenheiten benutzt wurden. Mag auch die Aufbewahrung dieser Gegenstände eine ganz private Angelegenheit des fürstlichen Hauses gewesen sein, so zeigt doch deren Vereinigung mit anderen aus weniger kostbaren Stoffen hergestellten und aus anderen Ursachen, „kuriosen“, d. h. das Interesse erregenden Gegenständen und deren Schaustellung in zusammenhängenden Räumen die ausgesprochene Absicht einer Museumsgründung. Allerdings war die Besichtigung dieser Räume nur den fürstlichen Gästen und besonders Begünstigten vorbehalten. Immerhin aber stehen die Kunstkammern im Anfang des modernen Museumswesens, und bei dem noch ungeordneten und oft wenig entwickelten künstlerischen und wissenschaftlichen Sinn der Sammler bildeten sie eine Art von Universalmuseum, in denen das Interesse für die „künstliche“ Herstellung und für den Inhalt der Darstellung, für technische und mechanische Fertigkeiten, für Werkzeuge und Instrumente, für Seltenheiten von Naturformen und für Naturalien aller Art, für Reliquien und geheime Kräfte, für mikroskopische und andere Künsteleien