Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/152

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Schmuckschrank aus Ebenholz, mit Silberbeschlägen und silbernen Figuren geschmückt, in architektonisch gegliedertem Aufbau. Der Hauptteil besteht in einer rechteckigen Kassette, die von einem schmaleren Unterbau auf einem breit ausladenden Stufenbau getragen wird. Über der Kassette trägt ein Sockel aus Ebenholz ein vergoldetes ovales Postament, darauf thront über vier kauernden gefesselten männlichen Gestalten eine weibliche Figur mit Glorie und Siegesfahne als die über die Laster Neid und Haß siegende Wahrheit. Diese Figuren sind aus Weißsilber. Ebenso sind die vier Ecken der Kassette mit weißsilbernen Gestalten betont, den Beherrschern der vier alten Monarchien von Babylon, Persien, Griechenland und Rom, laut den Beischriften. In koloristischer Hinsicht wird die Hauptwirkung bestimmt durch den Gegensatz des schwarzen Ebenholzes zu den weißsilbernen Gestalten und Schmuckteilen, sowie einzelnen vergoldeten Zwischengliedern und Figuren. Die Wände der Kassette haben an den vier Ecken Vorlagen, die in Nischen zwischen kannelierten Säulen acht silbervergoldete weibliche Gestalten enthalten, die Personifikationen der Tugenden. Die Rücklagen der Längswände sind jedesmal in zwei Felder geteilt, die in weißsilbernen Reliefs vorn die weiblichen Personifikationen von Asien und Europa, hinten die von Afrika und Amerika enthalten. Die Rücklagen der Schmalwände sind mit den silbernen Reliefs von Krieg und Frieden geschmückt. Auf der obersten Stufe des Stufenbaues lagern auf vergoldeten Sockeln je zwei weibliche und je zwei männliche Gestalten, alle aus Weißsilber, nach den Beischriften auf den Sockeln die Personifikationen von Gold und Silber und die von Kupfer. Außerdem ist der ganze Schmuckschrank allenthalben mit kleineren figuralen Reliefs und durchbrochenen Ornamenten bedeckt und an den Ecken noch mit gegossenen Figuren, zum Teil auf vergoldeten Sockeln, geschmückt. Auch sind noch vergoldete Schmuckteile symmetrisch angeordnet, so daß der ganze Aufbau einen überaus reichen, künstlerischen Eindruck macht. – Hauptarbeit des Dresdner Goldschmiedes Hans Kellerthaler vom Jahr 1585, R 1122. (H. 112 – I. 20.)