Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/176

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Schmuckkasten mit walmdachförmigem Deckel, auf vier Ranken mit Granatäpfeln ruhend; die architektonisch gegliederten Wände sind durch silberne Säulen in Felder eingeteilt und mit Samt überzogen. In diesen stehen aus Weißsilber mit vergoldeten Gewändern in hohem Relief die zehn weiblichen Personifikationen der Tugenden in Nischen, die mit Glas abgedeckt sind. Alle horizontalen Glieder der Wände sind mit gepreßten Ornamentstreifen überdeckt, außerdem die wagrechten Streifen des Deckels mit gegossenen durchbrochenen figuralen Füllungen auf Stoffunterlagen. Die Ecken des Deckels sind mit silbernen Schnecken und Perlmuttermuscheln betont, inmitten der Streifen Schmuckstücke mit Perlen und Edelsteinen. Auf dem erhöhten Mittelfeld des Deckels an den Ecken Frauenköpfe mit Ranken, in der Mitte silberne gepunzte Felder mit Ornament, dazwischen vergoldete Schmuckstücke mit Farbsteinen auf Stoffgrund. Auf dem Mittelstück eingesetztes silbernes Laubwerk auf Stoff um eine Vase mit Goldornamenten. Die Mitten der Säulen und der Nischen haben auch noch Verzierungen mit Farbsteinen. – Das mit verschiedenfarbigen hellen Stoffen ausgeschlagene Innere hat im Deckel ornamental verzierte Felder mit aufgenähter Goldlitze, Zierstücke mit Perlen, gepreßte Reliefstücke, gegossene und mit Steinen verzierte Schmuckstücke. Im Kasten vorwiegend dunkelrote Samtverkleidung mit aufgenähten Goldlitzen, vor der Rückwand Kästen in gleicher reicher Ausstattung und mit Steinschmuck. – Das Stück ist durch feine Abtönung der Farben ausgezeichnet, aber etwas sorglos gearbeitet. Nach dem Inventar der Kunstkammer von 1640 ist dieses „Kästli oder Nählädlein“ dem Kurfürsten Christian I. am 28. Februar 1590 von der Kurfürstin von Brandenburg als Neujahrsgeschenk verehrt worden. – Nürnberger Arbeit vom Ende des 16. Jhdts. (42 : 49 : 36 – IV. 145.)