Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/26

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fast vollendet. Es war von Giovanni Maria Nosseni (1545–1620, in Dresden seit 1575) begonnen und damals von seinem Nachfolger Sebastian Walther (1574–1643) so weit gefördert worden, daß in drei Jahren alles vollendet sein sollte. Hainhofer berichtet, in dem unteren Saal dieses Lusthauses, in dem die kurfürstliche Tafel aufgestellt werden sollte, sei eine schöne Grotte und er fährt fort: „Diese Grotte wirt für einen trisor dienen, auf welchem herumb gestellt werden die köstliche crystalline, iaspine, topasine, agatine vnd andere frembde in gold gefaßte stainine geschirre, darunder aine in gold gefassete nave von Böhmischem diamant (Bergkristall), die 4 maß fasset, auf m/20 cronen aestimiert wirdt, vnd vom jetzigen Kayser Ferdinando Ihrer Churf. Drl. ist verehret worden“.

Andere in ähnlicher Weise prächtig ausgestattete Räume befanden sich im ersten Obergeschoß des Stallgebäudes, in dem die Rüstkammer aufgestellt war. Sie waren mit Marmorplatten belegt und mit Möbeln aus Holz, Marmor und Serpentin ausgestattet, von denen noch einiges erhalten ist. Die zwei Eckstuben, von denen die eine das Fürstengemach hieß, waren, wie Hainhofer berichtet, mit je einem Tresorberg ausgestattet, der aus Felsgestein erbaut und mit Nischen in Bergwerksart versehen war, und darin ein Reiter mit Willkomm in der Hand, der durch ein Gehwerk sich heraus bewegte, und dem Gast den Willkomm darbrachte. Beide Tresors waren „voller schönen Silbergeschirrs“ „zwischen den Stufen und Handsteinen“. Sie stehen heute noch im Historischen Museum. Anstatt des an das Grüne Gewölbe abgegebenen Silbergeschirrs sind sie mit emaillierten deutschen Trink- und Ziergläsern ausgestattet. Während die Prunkgefäße aus dem Lusthaus wohl schon bei Gründung des Grünen Gewölbes in dieses überführt wurden, kamen die silbernen Gefäße aus dem Stall erst im 19. Jhdt. dorthin und bilden seitdem einen wertvollen Bestandteil des Emaillen- und des Silberzimmers.

Andere Bestände stammen aus dem Besitz der Kurfürstinnen. Hatte schon Mutter Anna die gleiche Sammelleidenschaft, wie ihr Gemahl, und die gleiche Freude an Werken der Goldschmiedekunst und des Geschmeides, so sind auch aus ihrem Nachlaß noch heute im Grünen Gewölbe kostbare Geräte und besonders schöne Schmuckstücke und Ketten vorhanden. Ihre Nachfolgerinnen waren nicht minder sammelfreudig. Ja, sie hatten sogar ihre eigene Kunstkammer, sowohl Sophie, die Gemahlin von Kurfürst Christian I., geborene Prinzessin von Brandenburg, geb. 1568, verm. 1582, Witwe 1591, gest.