Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/31

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Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gegenstände des Grünen Gewölbes aber ist erst von August dem Starken selbst erworben worden. So die Gruppe der Elfenbeinstatuetten und kleinen Nippesfiguren aus Elfenbein, aus Ebenholz, aus monströsen Perlen und aus Halbedelsteinen, deren Ausstattung mit silbervergoldeten Sockeln und mit kostbaren Edelsteinen und Kameen schon die hohe Wertschätzung ihrer Zeit erkennen läßt, ferner die an materiellem Wert so einzigartigen Edelsteingarnituren für die Kleidung Augusts des Starken, und endlich die vielen Galanteriearbeiten Dinglingers und seiner Zeitgenossen, von den großen Kabinettstücken bis zu den Dosen, Uhren und Ringen. Hierzu kam noch der Besitz der ausgestorbenen Albertinischen Nebenlinien mit einigen recht wertvollen Stücken. Verschwindend gering ist der Zuwachs an solchen Werken aus der Zeit nach August dem Starken. Aus dem späteren 18. Jhdt. verdient allein der Prunkkamin von 1782 des Dresdner Juweliers und Edelsteinschleifers Christian Neuber (1735–1808) besondere Erwähnung.

Im Zusammenhang mit allen diesen Werken der Handwerkskünste aber ist von besonderer Bedeutung die Art, wie August der Starke diese Sammlung von Kostbarkeiten aller Art zur Aufstellung brachte, wie die Ausstattung des Grünen Gewölbes jedem Zimmer besonderen kunstvollen Charakter verlieh.

Es war damals für fürstliche Herren die Mode aufgekommen, ihren Besitz an Werken der Kleinkünste, die mit besonderem Eifer zu jener Zeit gesammelt wurden, in einzelnen sogenannten Kabinetten so aufzustellen, daß alle Wände des Raumes mit symmetrisch angeordneten Konsolengruppen bedeckt wurden, so daß die dort aufgestellten Gegenstände zu einem möglichst reichen und prunkvollen dekorativen Eindruck des Raumes zusammenwirkten. Man war dabei auf eine einheitliche Massenwirkung bedacht, der zuliebe die Wirkung und Betrachtung des einzelnen Gegenstandes zurückzutreten hatte. Diese Betrachtung war ja damals nach Bedarf jedesmal leicht durch Herabnahme des Stückes von seiner Konsole zu ermöglichen. Und es handelte sich ja meist nicht um ausgedehnte Sammlungen, sondern nur um einzelne Kabinette, die auch nicht jedermann zugänglich waren.

August der Starke hat seine Absicht, so eingerichtete „Kabinette“, die in den Schlössern des endenden 17. und des 18. Jhdts. einzelne Glanzpunkte bildeten, wie ja auch das Turmzimmer im Residenzschloß einen solchen bedeutet,