Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/36

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Sammlung von Ziergegenständen des Grünen Gewölbes, die zumeist ihre Entstehung dem 16., 17. und 18. Jhdt. verdanken, eine sehr würdige Patenschaft besitzt und wir wissen auch, daß die Kunstfreunde aller Zeiten und Länder diesen Werken eine nicht geringere Wertschätzung beimaßen, wie den Werken der sogenannten hohen Kunst und daß insbesondere das 16., 17. und 18. Jhdt. als eine Zeit eingeschätzt wird, in der alle Kunstfertigkeit in der Bearbeitung und Verwendung dieser Stoffe zur höchsten Vollendung gekommen war. Nicht nur das. Diese Zeit hat auch den aus dem Altertum oder aus fremden asiatischen Kulturen überkommenen Erzeugnissen aus den genannten Stoffen eine höchste Wertschätzung erwiesen, die nicht bloß damit sich zufrieden gab, diese Werke als Kostbarkeiten und Erkenntnisquellen zu sammeln, sondern die sie von neuem verwendete zu Zierstücken aller Art und die sich ferner bemühte, die Technik ihrer Bearbeitung von neuem zu ergründen, anzuwenden und zu vervollkommnen, während noch die vorangegangene Zeit des Mittelalters, der das Verfahren ihrer Herstellung abhanden gekommen war, doch wenigstens statt der untergegangenen Fassung ihnen eine neue kostbare Fassung gab und damit gleichfalls die hohe ästhetische Bewertung dieser „Curiositäten“ bekundete.

Für die ästhetische Bewertung aller dieser verarbeiteten Naturerzeugnisse, sei ihre Bearbeitung nun schon vorhanden gewesen oder erst neu vorgenommen worden, kommt nun noch insbesondere in Betracht, daß sehr häufig ihre Form, sei es nun ihre unveränderte Naturform oder die Form, die ihnen unter Anwendung der verschiedensten und oft der schwierigsten Techniken gegeben wurde, um das Stück in möglichst vollkommener Weise zur Geltung zu bringen, daß also diese so gefundene Form bei ihrer Fassung in Metall oder bei ihrer Vereinigung mit anderen Stoffen wesentlich bestimmend einwirkte auf den Aufbau und die Gesamterscheinung des mit ihnen geschaffenen Zierstücks oder Gebrauchsgegenstandes. Diese vorgefundenen Formen haben auf die Phantasie ihrer Bearbeiter einen überaus starken Einfluß ausgeübt, so daß dadurch neue Typen von Gefäßen und Geräten aller Art und neue Ziermotive entstanden, die nicht gefunden oder angewandt worden wären, wenn der Künstler etwa nur aus Metall oder Holz oder Elfenbein einen den gleichen Zwecken dienenden Gegenstand geschaffen hätte, wo oft genug nur die materialgerechte Arbeit die Form bestimmt hat. Weiterhin aber haben sie dann die Phantasie auch derartig angeregt, daß die Künstler schließlich,