Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/46

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zur Geltung gebracht und daraus schließlich den mit zwei Reihen von Buckeln versehenen Pokal gebildet. Auf diesem Wege konnte unser Gefäß aus Stein nicht folgen, es behält die Kegelform des Bechers bei. Aber doch können wir beobachten, daß hier im Stein ästhetische Mittel, die mit der Treibtechnik zugleich in Anwendung gekommen waren, übernommen wurden. Ein solches häufig angewandtes Ziermotiv des gotischen Bechers besteht darin, daß der Becher in der Achse eine scheinbare Drehung erhielt, indem die Buckel fischblasenartig schräg auslaufen. So ist ähnlich auch hier an dem Jaspispokal das Gefäß und der Fuß mit schräg um die Becherform sich windenden Rillen versehen worden, ohne daß dadurch das Gefäß in seinen Umrissen eine Umwandlung erfahren hätte. Auch darin folgt der Pokal der gotischen Entwicklung, daß der Knauf des Schaftes fortgelassen wird und dieser aus dem Fuß in mäßiger Schweifung herauswächst, sowie daß die Verbindungsstelle zwischen Gefäß und Schaft durch einen herabfallenden Blattkranz aus Silber verdeckt wird und daß der Rand des Deckels einen silbernen Blattkranz erhält.

Während die Wertschätzung des edeln Steines die Veranlassung gab, diesem Gefäß seine kunstvolle Fassung zu geben, ist anderseits auch schon das Glas mit einer solchen ausgestattet worden, dann aber mußte es schon durch eigenen Kunstwert hierzu den Anreiz geben. Aus dem Orient sind im Mittelalter wegen ihrer Emailmalerei hochgeschätzte Gläser nach Europa gekommen, zumeist Prachtgefäße größeren Umfangs, seltener einfachere Formen wie die beiden am Rande erweiterten Glasbecher (Tafel 1), die in ihrer Emailmalerei aber hinter jenen nicht zurückstehen, wodurch sie auch nicht etwa als bloße Gebrauchsgefäße anzusehen sind. Das eine von ihnen, mit reitenden Polospielern emailliert, erhielt schon am Fuß eine Einfassung mit Sockel aus vergoldetem Silber, deren eingravierte Akanthusranken zu Anfang des 15. Jhdts. entstanden sind, allem Anschein nach in Deutschland. Der Deckel aber ist erst in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. hinzugekommen. Das andere Glas, mit einer Wasserjagd auf Reiher emailliert, erhielt Fuß und Deckel wohl auch zu Anfang des 15. Jhdts. Sein Knauf steht dem Knauf einer Monstranz in Burg Eltz nahe (Abb. 225 bei Creutz). Wieder wird das Gefäß durch Schienen zwischen Fußrand und Mundrand festgehalten.

Diese Gefäße waren, ebenso wie das Bergkristall-Ziborium, von Anfang an nicht für die Fassung in Metall entstanden. Wir besitzen aber im Grünen Gewölbe auch Beispiele dafür, daß ebenso wie die kugelförmigen Gefäße mit