Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/54

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von Erzbischof Albrecht von Brandenburg dem Dom zu Köln gestifteten Kußtafel und dadurch steht es in Zusammenhang mit einem von Peter Flötner mit seinen Namensinitialen bezeichneten Holzschnitt. Kein anderer deutscher Künstler verfügt auch über eine so graziöse Linienführung und der von ihm bevorzugten Vereinigung von Akanthusranken mit Weinlaub. Alle einzelnen Motive hat er in der Lombardei allerdings schon vorgebildet gefunden, aber sein künstlerisches Eigentum bleibt doch die ganze Komposition und deren Linienrhythmus; an klassischer Vollendung der Komposition und ihrem Formenadel wird das Werk von keiner Arbeit der Italiener überboten.

Das gleiche gilt auch von der Taufkanne, deren gedrückte Kugelform, mit Perlmutterplättchen belegt, in einer hohen Eingußröhre mit flachem Deckel Hals und Kopf erhielt, der mit dem Körper durch einen Delphinhenkel verbunden ist, ein Delphin vertritt auch den Ausguß, Reifen und Schienen halten die Metallteile zusammen und verbinden sie mit dem geschweiften kurzen Fuß. In der Verzierung dieser so entstandenen formvollendeten Kanne ist ein wohlbedachter Wechsel zu beobachten, den glatten Flächen des Körpers und Halses folgen die breiteren flüssigen Formen der beiden Delphine, während Deckel, Halsreifen und Fuß wieder mit feinzisiliertem Rankenwerk erfüllt sind, das am Fuß durch aufgelegte Löwentatzen in vier Felder geteilt ist, über deren Mitte Widderköpfchen vorragen. Durch diese Zutaten wird die Kanne als eine Arbeit der gleichen Werkstatt erkennbar, die eine Fruchtschale der Münchener Hofsilberkammer hergestellt hat, und diese trägt die Marken des Nürnberger Goldschmieds Melchior Baier, desselben Meisters, der nach Flötners Entwürfen die Krakauer Altarausstattung nach Neudörfers Zeugnis hergestellt hat. Wir haben also in Melchior Bayr den Meister zu erkennen, der für Herzog Georg dieses sein Taufgerät nach Flötners Entwürfen ausführte.

Unter den Nachfolgern des Herzogs Georg von Sachsen hatte Kurfürst August, der zweite Sohn seines Bruders Heinrich, den regsten Sinn für alle Handwerkskünste und er hat viele hervorragende Werke erworben, die heute noch im Historischen Museum, im Mathematischen Salon und im Grünen Gewölbe verwahrt werden. Nicht minder haben dazu durch ihren Prunksinn sein Sohn und Enkel, die beiden Christiane, beigetragen. Das zunehmende Interesse für Werke der Gold- und Silberschmiedekunst und für alle Kleinkünste und technische Bravourstücke lag ganz im Sinn der Zeit, die in all