Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/58

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und Sammler Philipp Hainhofer dem Herzog Philipp II. von Pommern abgeliefert, und in dem Kunstschrank in Upsala, den 1632 die Stadt Augsburg von Hainhofer erwarb und dem König Gustav Adolf zum Geschenk machte.

Wir können seit 1492 bis 1632 in Augsburg durch eine Reihe von ähnlichen, wenn auch minder aufwändigen Werken eine fortlaufende Tradition beobachten. So besitzt das Grüne Gewölbe ein Schränkchen und mehrere Kästchen dieser Art, deren Marken auf den silbernen Reliefs auf den Augsburger Silberschmied Mathäus Wallbaum (1594–1630) hinweisen, desselben Meisters, aus dessen Werkstatt auch der gesamte Silberbeschlag des Pommerschen Kunstschrankes und ein in Berliner Privatbesitz befindlicher Hausaltar von ähnlicher Art wie der des Kellerthaler hervorging. Das außen einfach aufgebaute und fast schmucklose Schränkchen (Tafel 18) zeigt erst bei geöffneten Flügeltüren eine reiche architektonische Gliederung und Verzierung. Ein anderes solches Schränkchen hat auch im äußeren Aufbau schon eine durch Silberauflagen, Reliefs und Freifiguren belebte architektonische Gliederung und einen mit einem Türmchen gekrönten Giebel, darin ein Uhrwerk. Dessen silbernes Zifferblatt hat durchsichtige Emailverzierung auf Tiefschnitt, wie sie in Augsburg besonders von dem gleichfalls für den Pommerschen Kunstschrank beschäftigten David Altenstetter (1550–1617) hergestellt wurde. Wir werden deshalb auch dieses Schränkchen als in Augsburg hergestellt anzusehen haben (Tafel 19). Die einfacher gestalteten Kästchen mit aufgelegten Ornamenten und getriebenen Reliefs aus Silber, wie die mit der Marke Wallbaums, und das größere mit der Marke des Augsburgers Boas Ulrich, Meister um 1576, gest. 1624, schließen sich ganz dem Charakter des Schränkchens an (Tafel 20, 1 und 2).

Die Vorliebe für solche Kunstschränke und Kästchen war in Deutschland so allgemein verbreitet, daß auch die an den anderen Hauptsitzen der deutschen Goldschmiedekunst tätigen Meister in deren künstlerischer Ausgestaltung ein Hauptfeld ihrer Tätigkeit fanden, die dabei aber ihre eigenen Wege gingen. Insbesondere führte die in Nürnberg gepflegte Kunstfertigkeit in dem Streben nach farbiger Wirkung zu Werken, die an Kunstwert eine noch höhere Stufe erreichten. Allen voran steht darin der Meister Wenzel Jamnitzer, der mit seinem jüngeren Bruder Albrecht 1534 aus Wien nach Nürnberg übersiedelte, beide schon nach Neudörfers Zeugnis überaus vielseitige Künstler, denen noch andere ihrer Familie folgten, die gleichfalls als Goldschmiede hohen Rang einnahmen. Jamnitzer war bald so vielbegehrt, daß er eine Reihe anderer Meister