Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/59

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mit der Ausführung von Einzelheiten betrauen mußte. Dadurch sind manche weitere technische Verfahren und Stoffe bei der Ausstattung dieser Kunstkästen hinzugekommen. Als ein Hauptwerk dieser Art gilt der große Schmuckkasten des Grünen Gewölbes (Tafel 21 u. 22). Zu den Farbsteinen kommen Perlen hinzu, zu den Stoffen Goldlitzen, silberne Felder sind mit Ornament ausgestochen, das mit durchsichtigem Email ausgefüllt ist, die drei Felder des Bodens im Deckel haben getriebene und mit Lackfarben in vornehmer Abtönung bemalte Figuren. Trotz dieses Reichtums der verschiedensten Mittel wird aber doch der Eindruck vermieden, als ob zuviel des Guten daran angewandt wäre. Es ist nur natürlich, daß bei dem Zustandekommen dieses Werkes die einzelnen Teile verschiedenen ausführenden Händen übertragen waren. Jamnitzer selbst wird aber doch den Ruhm für sich in Anspruch nehmen dürfen, das ganze Werk komponiert und auch seinen Einzelschmuck für jede Stelle bestimmt zu haben. Wenn wir dabei sehen, daß die antiken Könige in den Füllungen der Rücklagen nach Modellen von Peter Flötner hergestellt und die größeren weiblichen Statuetten aus späterer Zeit erst entstanden sind, und wenn wir sogar auch auf dem inneren Metallrand des Kastens die Marke des ausführenden Goldschmieds Nicolaus Schmidt, der 1582 Meister wurde, vorfinden, so sind das Kennzeichen dafür, daß hervorragende und vielbegehrte Nürnberger Meister dieser Zeit nicht mehr als ausschließliche Erzeuger der unter ihrer Firma herausgegebenen Werke gelten können.

Die Form dieses Schmuckkastens mit seiner architektonischen Gliederung der Wände und seinen figuralen und ornamentalen Einzelheiten ist auch bei den Werken anderer Meister zu finden. Wir können auch bei ihm schon die Übung beobachten, Modelle von allerhand Verzierungsstücken zu den verschiedensten Werken zu verwenden, ja bei diesen Modellen nicht einmal großes Gewicht darauf gelegt sehen, daß diese vom Meister selbst erfunden sind. Daher kommt es, daß auch gerade bei dem großen Schmuckkasten des Grünen Gewölbes, dem berühmten Glanzstück der deutschen Goldschmiedekunst der Renaissance, bei genauerem Zusehen der einheitliche Eindruck, der durch den wohlabgewogenen architektonischen Aufbau erreicht wird, doch in der Ornamentik nicht eingehalten ist, daß auch in dem Maßstab und der Modellierung der Figuren in den Vor- und Rücklagen Verschiedenheiten nicht vermieden sind. Das Bestreben, alle Arten der Verzierung an dem Schmuckkasten anzubringen, hat auch dazu geführt, in einem gewissen Gegensatz zu den stilisierten, durchbrochenen