Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/63

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des Gefäßes der Arbeit des N. Schmidt folgt. Doch ist die Einlegearbeit in Nürnberg nicht vertreten. Für diese kann ja auch ein Kunsttischler in Frage kommen und Geyer und der Torgauer Meister nur für die Montierung. Jedenfalls nimmt die Gruppe eine eigenartige Sonderstellung ein. Elias Geyer hat noch ein großes rundes Becken aus Holz von gleicher Einlegearbeit in Perlmutter mit seiner Fassung versehen (Tafel 29).

Zwischen Laubwerk aus Perlmutterplättchen sind in den Boden des Beckens, ebenso in die Kehle des Randes die gleichen maureskenartig verzierten Felder eingelegt, wie an dem Schmuckkästchen. Ein rundes in Silber gefaßtes Mittelfeld ist offenbar dazu bestimmt, einer zugehörigen Kanne zur Standfestigkeit zu verhelfen. In dieser Kanne (Tafel 30) erstrebt der erst 1589 in Leipzig Meister gewordene Silberschmied die vornehmen edlen Formen der Frührenaissance. Den Hauptschmuck bilden daran zwei Reihen von gewölbten Perlmutterschalen, die kleineren der oberen Zone des eiförmigen Körpers oval, die größeren der unteren Zone eiförmig. Die Metallteile sind zwar reich verziert, lassen aber doch die reinen Umrisse der Kanne hinreichend zur Geltung kommen. Wenn auch hier Perlmutterteile verwendet sind, so doch nicht in der Art der Verzierung des Beckens. Das läßt es wohl möglich erscheinen, daß das Becken von anderer Seite geliefert und nur von Geyer montiert wurde. Die Einlegearbeit des Beckens auf ihrem Holzkern war nicht auch an der Silberkanne anzuwenden, so ist darin wohl der Grund dafür zu erblicken, daß beide Stücke, obwohl sie zu einer Garnitur bestimmt waren, stilistisch nicht übereinstimmen.

Das ist bei einem gleichartigen Prunkgeschirr eher möglich gewesen, aber doch ist auch nicht nach Einheitlichkeit gestrebt worden (Tafel 31, 32). Die Perlmutterplättchen des Beckens sind in konzentrischen Ringen auf den Holzkern aufgestiftet und deren Rand ist durch ovale Perlmutterplatten in sechs Felder gegliedert. Für den Fuß der Kanne ist um die Mitte ein Rahmen in Dreipaßform aufgelegt. So könnte man vermuten, dieses und das Becken von Geyer seien im Wettbewerb oder doch das eine nicht ohne Kenntnis des andern entstanden. Der Nürnberger Meister Nicolaus Schmidt, der die Kanne mit seinen Marken versehen hat, ist seit seiner Mitarbeit an dem Jamnitzerkasten und seitdem er die Perlmutterkästchen für Dresden hergestellt hat, hier zu einer großzügigeren, mehr barocken Formensprache übergegangen. Das bekunden schon an dem Becken die gelagerten Gestalten, die fast als Freifiguren sich vom Boden des Randes abheben. Noch stärker zeigt dies an der Kanne der auf der Vase