Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/72

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Seeschnecken (Tafel 53). Daran ist die im Mittelalter in Deutschland beliebte Kunstübung der Schnitzerei des Perlmuttern, die im 16. Jhdt. mehr und mehr außer Übung geriet, von neuem angewandt von einem holländischen Meister des 17. Jhdts. C. van Bellekin, der in berechtigtem Stolz auf die Erzeugnisse seiner Kunstfertigkeit die Stücke mit seinem vollen Namen bezeichnet hat. Die bis auf die Perlmutterglanzschicht abgeschliffenen Seeschnecken sind in Relief den Windungen der Schnecken folgend mit Kinderszenen erfüllt und zur Belebung des Hintergrundes noch Pflanzen und Sträucher eingraviert und diese Vertiefungen schwarz ausgefüllt; man muß die Pokale in die Hand nehmen, um den vollen Reiz dieser Arbeiten beim Betrachten zu genießen. Noch einen weiteren Schmuck hat besonders die von einer Nereide getragene Seeschnecke dadurch erhalten, daß aus den äußeren grünlich grauen Schichten der Seeschnecke am Rand der Öffnung ein Seefisch und an der Kante der Spiralwindung eine zum Teil vom Boden sich loslösende Seeschlange geschnitten wurde. Die im bewegten Rechteck gebildeten verjüngt ansteigenden Sockel der beiden Pokale, teils mit Hippokampen, teils mit Delphinen besetzt und auf Schildkröten gestellt, scheinen erst von dem Dresdner Hofgoldschmied Johann Christoph Köhler hinzugefügt zu sein, von dem die Inventare besagen, er habe die Stücke neu gefaßt. Sie fügen sich aber der Komposition geschickt an. Eine künstlerisch noch wirkungsvoller mit Reliefschnitzerei aus dem Reich des Neptun ohne Gravierung ausgestattete Seeschnecke, an der auch ebenso der Rand der Öffnung aus der äußeren Schicht noch mit einem Adler und anderen Tieren geschnitten ist, ist leider beschädigt und darum ohne Fassung gelassen (Tafel 53, 2). Es läßt sich ja gegen diese Schnitzerei einwenden, daß sie an einem dazu wenig geeigneten Material angewendet ist, denn die plastische Oberfläche der Figuren kommt nicht recht zur Geltung infolge des flimmernden Farbenspiels darunter. Das mag auch der Grund dafür gewesen sein, daß nur noch vereinzelt Reliefschnitzerei an den Perlmutterglanzschichten der Muscheln in Übung blieb. Aus dem Anfang des 18. Jhdts. besitzt das Grüne Gewölbe nur noch eine große flache Schale mit dem Reiterbildnis Augusts des Starken (VI, 80).

Aus derselben Zeit stammt der durch seine Montierung künstlerisch bedeutendste Nautiluspokal (Tafel 54). Er ist als Trinkschale entstanden und darum seine figürliche Ausstattung dem Reich des Bacchus entnommen. In dem Aufbau des Pokals hat sich sein Künstler von den traditionellen Verhältnissen