Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/73

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des Schaftes und Sockels frei gemacht. Die Figuren, die früher an Stelle der Vase des Schaftes getreten waren, hatten von ihr deren Größenverhältnisse beibehalten und erschienen so nicht recht in der Lage, einen so großen Gegenstand wie die Muschel tragen zu können, sie wirkten nur als Zwischenglieder des gesamten Aufbaues. Diesem bocksfüßigen Satyr, der auf dem runden von Weinlaub umrankten Sockel hockt, glauben wir eher, daß er seine Last zu halten vermag. Die Nautilusmuschel ist durch vier profilierte Schienen mittels Scharnieren gefaßt und jenen ist nur ein leichter Blätterschmuck gegeben. Die Schienen sind zugleich Träger des plastischen figuralen Schmuckes; der auf dem Rücken der Wölbung gelagerte Panther mit Trauben in den Vorderpranken bildet den prächtig belebten Abschluß des Aufbaues, sein in Akanthuslaub endigender Körper umkleidet in feinstem Formempfinden die Rundung der Schnecke. Der vordere Rand der Muschel hat eine von Weinlaub umrankte prächtige Satyrmaske erhalten. Alle diese figürlichen Teile von einem plastischen Leben erfüllt und dem ganzen Ziergerät so glücklich angepaßt, daß das Werk als eine der künstlerisch vollkommensten Arbeiten stets gelten wird. Der Pokal trägt die Marken des Berliner Goldschmieds Bernhard Quippe. Von diesem im Jahr 1689 in Berlin Bürger gewordenen Silberschmied sind ähnliche Arbeiten, die darauf schließen ließen, daß er selbständig den Pokal erfunden hätte, nirgends bekannt worden. Es ist darum ungleich wahrscheinlicher, daß der Entwurf zu dem Pokal, wie auch schon seine großzügige Komposition nahelegt, von einem Bildhauer ihm zur Ausführung geliefert wurde. Man könnte in Berlin zunächst an den großen Andreas Schlüter denken, dem wir u. a. das Denkmal des großen Kurfürsten und die Masken sterbender Krieger am Zeughaus zu danken haben. Er hat wohl auch den Entwurf zu einem silbernen Sarkophag gemacht. Doch, daß er sich mit Werken der Kleinkunst, wie dieses eines ist, abgegeben hätte, davon haben wir keine Zeugnisse. In Berlin war zeitweilig der Dresdner Bildhauer Balthasar Permoser (1651–1732) tätig, von ihm stammte dort das untergegangene Grabmal seines Freundes, des Berliner Medailleurs Faltz. Es wird auch angenommen, daß er an dem plastischen Schmuck des Berliner Zeughauses und unter Schlüter des Schlosses teilgenommen hätte. Jedenfalls hatte er enge Beziehungen zu den Berliner Künstlern. Von ihm wissen wir auch, daß er zahlreiche Werke der Kleinplastik geschaffen hat, besonders in Elfenbein, aber auch in Ton, von denen gerade die vollkommensten das Grüne Gewölbe besitzt. Es kommt hinzu,