Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/11

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die Künste und Wissenschaften blühen, es ist eine Lust zu leben“, begeisterten Ausdruck gab, veranlaßte die Humanisten, an soviel Orten, als sie nur konnten, Anhänger ihrer Bestrebungen zu werben. So waren sie viel auf Reisen und standen untereinander in regstem brieflichen Verkehr. Wo ein Humanistenkreis sich gebildet hatte, schloß er sich an Gesellschaften mit regelmäßigen Vereinigungen zusammen, worin die politischen und sozialen Fragen der Gegenwart in ernsten Gesprächen behandelt und die eigenen Erzeugnisse der Literatur und Dichtkunst vorgetragen und oft bei frohen Gelagen die griechischen Symposien zu neuem, von attischem Geist erfüllten Leben erweckt wurden. Die berühmtesten und von den geistvollsten Männern ihrer Zeit gebildeten humanistischen Gesellschaften bestanden in Wien, in Wittenberg, Leipzig und Gotha, in Heidelberg und Mainz, in Nürnberg, in Kopenhagen, in Krakau und in Ofen. Daß in ihnen auch dem Bacchus geopfert wurde, davon berichten uns nicht nur die erhaltenen Schriften der Humanisten selbst, sondern gerade auch unsere goldene Trinkschale. Auf deren Außenrand hat ihr Stifter in lateinischer Sprache den Satz eingravieren lassen, der auf Deutsch etwa lautet: „Die heilige Schar der Dichter und ihr geweihter Verband möge mit dieser Schale des Bacchus reichliche Spenden darbringen. Doch Ungeweihte sollen ihr fernbleiben.“ Auf der Rückseite der Medaille hat der Besitzer der Schale anscheinend einige Jahre nach ihrer Herstellung seinen Namen Aug(ustinus) Olom(ucensis), das Jahr der Stiftung, 1508, und die Bestimmung der Schale: für ihn selbst und die geschätzte Nachfolge, eingravieren lassen. Nun wissen wir wohl, daß Augustinus Kesenbrot auch Propst zu Olmütz gewesen ist; Olmütz in Mähren war auch sein Heimatsort. Wir wissen aber auch, daß Augustin Olmützer zum Kanzler des Königs Wladislaus II. von Ungarn, † 1516, ernannt worden war, dessen Vorgänger Matthias I. Corvinus, † 1490, im Frieden zu Olmütz 1479 mit Schlesien und der Lausitz auch Mähren unter seine Herrschaft gebracht hatte. So hatte also Augustinus seitdem sicher seinen ständigen Wohnsitz nach Ofen verlegt, von hier aus aber öfter mit seinem Herrn in Staatsgeschäften Reisen gemacht, wobei er unverhofft 1510 gerade in Olmütz, seiner Vaterstadt, gestorben ist.

Auf diesen Reisen begleitete ihn auch seine kostbare goldene Patera, um sie beim Besuch der Humanistengesellschaften zu verwenden. Hierbei mag sie sich auch gelegentlich von ihrem Herrn getrennt haben, doch wurde sie ihm zurückgeschickt. In einer kleinen lateinischen Schrift über die goldene Trinkschale und